Istanbul Reisen

Weltenbummlerei: Istanbul

21. April 2013

Meine zwei liebsten Wege, um eine neue Stadt zu entdecken: Erlaufen. Und erschmecken. Was natürlich beides ausgezeichnet zusammenpasst, da das Erlaufen die hüftpolsternden Nebenwirkungen des Erschmeckens doch zumindest ein wenig mildert.

Klar ist es bequem, sich im Hop-on-hop-off-Bus zu den Sehenswürdigkeiten chauffieren zu lassen. Richtig eintauchen kann ich in Stadt aber nur dann, wenn ich mich zu Fuß in ihr treiben lasse. Was in Istanbul ehrlich gesagt auch die einzig sinnvolle Art der Fortbewegung ist, denn die Stadt ist ein nichtendenwollender Verkehrskollaps. Und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Wer Abends ausgehen möchte, der sollte sich unbedingt ein Hotel im Stadtteil Beyoglu nehmen. In den kleinen Gässchen und Passagen rund um den Galataturm, den Tünel-Platz und die Istiklal Caddesi, die Haupteinkaufsstraße, kann man abends wunderbar bummeln, Mezze essen, dazu erst einen Raki und später ein Bier trinken und Leute gucken. Ganz unkompliziert und sehr lecker haben wir zum Beispiel im Dai Pera gegessen. Köstliche Kebaps vom Holzkohlengrill gibt´s im Peymane.

In den Gassen rund um den Fischmarkt stellen die Restaurants und Meyhanes (die türkischen Gasthäuser) einfach Tische und Stühle nach draußen, sobald sich ein Sonnenstrahl am Himmel zeigt. Die Ecke ist durchaus nicht unanstrengend, weil einen jeder in sein Lokal ziehen will – dafür wird man mit köstlichem Fisch belohnt, zum Beispiel im Mer Balik

Anschließend trinkt man entweder ein Bier in der Nevizade Gasse. Oder nimmt einen Drink mit Aussicht. Zum Beispiel im 360°. Die Aussicht ist fantastisch. Die Drinks ordentlich. Das Ambiente schick. Das Essen soll aber mit Aussicht und Ambiente nicht mithalten können.

Zum Sightseeing geht es dann über die Galatabrücke, die das Goldene Horn überspannt in die Altstadt (wer nicht zu Fuß gehen möchte, der nimmt die Tram.) Die Moscheen, Kirchen und Paläste sind märchenhaft schön. Und es würde Istanbul so gar nicht gerecht, wenn man sie in die Kategorie „Touristisch“ steckte. Bezaubernde Must Sees für jeden, der zum ersten Mal in Istanbul ist, sind die Blaue Moschee:

Die Hagia Sophia, die beeindruckende „Kirche der heiligen Weisheit“:

Der Topkapi Palast, die stein gewordene osmanische Zeltstadt. Hier gab es übrigens für jedes Gericht einen eigenen Hofkoch. Wie irre ist das denn? Und was machten die bloß, wenn der Lamm-Kebap-Hofkoch krank war und den Sultan gelüstete es nach Lamm-Kepap? Nein, Herr Sultan, das geht nicht, denn der Koch ist krank. Interessante Vorstellung…

Die Zisterne mit ihrer magischen Atmosphäre. Unglaublich, was die Römer da unterirdisch geschaffen haben:


Die Rüstem Pasa Moschee, deren Mosaiken noch viel blauer sind als die der Blauen Moschee:

Die Süleymaniye Moschee mit ihrer Farbenpracht. Der Lieblingsehemann war übrigens sehr dankbar, dass es mal eine Moschee in einer anderen Farbe als blau gab:

Die Chora Kirche mit ihren wunderbaren Mosaiken:

Der prächtige Dolmabahce Palast. Holladiewaldfee, so einen Kronleuchter hätt ich auch gern. Fotografieren ist drinnen leider verboten:

Wenn die Zunge nach lauter Sightseeing am Gaumen klebt, dann ist es höchste Zeit für den leckersten Saft ever. Granatapfelsaft, frisch gepresst an einem der vielen kleinen Stände.
Ein grandioser Snack, quasi die Istanbuler Currywurst ist Balik Ekmek: Brot. Etwas Grünzeug. Und darauf: Frischester Fisch, direkt vom Grill. Köstlich! Balik Ekmek bekommt man am Fuß der Galata-Brücke. Verkauft wird direkt von kleinen Booten. 


Doch Istanbul ist eben viel, viel mehr als die prächtigen Moscheen, Kirchen und Bazare. Den großen Bazar haben wir uns übrigens geschenkt und uns statt dessen ins Gewusel des Gewürzbasars gestürzt. 

Auf dem Weg zur Chora Kirche bummelt man am besten durch die pittoresken Gassen von Balat, dem ehemals jüdischen Viertel und Fener, dem ehemals griechischen Viertel.


Wer mal kurz genug vom Gewimmel hat, der steigt um aufs Boot und fährt ein Stück den Bosporus hinauf. Am besten mit einem Vapur, der traditionellen Bosporus-Fähre, die man mit dem ÖPNV-Ticket benutzen kann. 
Für einen kurzen Stop bietet sich Ortaköy an, ein quirliges Studenten-Viertel am Fuß der Bosporusbrücke. 

Hier ist ein anderer Istanbuler Snack zu Hause. Kumpir. Riesige Backkartoffeln, die dann mit allerlei Fleisch, Gemüse und Saucen gefüllt werden. Für mich ein bisschen sehr matschig – da mochte ich die knusprigen Simitler lieber, köstliche kleine Sesamringe, die für wenige Cent überall verkauft werden.

Oder die bunten Süßigkeiten, die nichts mit dem klebrigen Zahnziehern zu tun haben, die man hier bei uns als türkischen Honig bekommt.

Am letzten Abend sind wir wieder der Empfehlung unseres Hotel Concierges gefolgt – und haben einen wunderbaren Abend in einem typisch türkischen Gasthaus, einem Meyhane verbracht. Das Inciralti liegt auf der asiatischen Seite, nur wenige Meter vom Fähranleger Beylerbeyi entfernt. Die Fähre dorthin legt am Anleger rechts der Galatabrücke ab, 20 Minuten und einen märchenhaften Sonnenuntergang später waren wir da. 

Das Raki-Angebot des Inciralti umfasst geschätzte 60 Sorten, hier sind wir richtig. Die Mezze, die türkischen Vorspeisen, werden auch hier auf die traditionelle Art präsentiert: Dutzende von kleinen Schälchen auf einem riesigen Tablett. Man wählt einfach nach Appetit und Laune, was einem gefällt. Im Inciralti so ausgefallene Mezze wie Brasse in 14 Gewürzen, nach dem Rezept eines Leibarztes für den Sultan im 17. Jahrundert, Makrele mit Walnüssen nach einem ottomanischen Rezept von 1844 oder Bonito Ragout mit Schalotten.

Nach den kalten Mezze kommen die warmen Mezze. Und wer dann noch nicht genug hat, der könnte sich auch noch für ein Hauptgericht entscheiden. Wir waren so satt und glücklich, dass wir schnurstraks zum Dessert übergingen. Gebackenes Halva. So irre lecker, dass ich es gleich nachmachen musste. Zum Rezept geht´s hier.

Nach vier Tagen Istanbul schmerzten die Füße von ständigen bergauf-bergab-Laufen. Der Nacken vom ständigen in-der-Moschee-nach-oben-gucken. Und am liebsten hätt ich noch ein paar Tage dran gehängt. Istanbul, wir kommen wieder.
Genießt den Tag!

Das könnte dir auch gefallen

5 Kommentare

  • Antworten Schwarzwaldmaidli 21. April 2013 at 15:55

    Ich bin auch so eine, die im Urlaub immer gerne durch die Städte läuft und wenig den Bus nimmt 🙂
    Schöne Bilder, die einen tollen Eindruck von Istanbul vermitteln!
    Liebe Grüße

  • Antworten Canan 23. April 2013 at 15:52

    Für mich eine der schönsten Städte der Welt und ich bin so froh darüber, dass wir zwei Wohnungen in Istanbul haben (in Cihangir, auf der europäischen Seite, 5 min. zu Fuß von Taksim entfernt und in Fenerbahce, auf der asiatischen Seite).
    Istanbul ist jederzeit (auch zu jeder Jahreszeit) einen Besuch wert.

  • Antworten Kubra Aslantepe 15. Mai 2013 at 18:51

    Dein Post hat mich einfach nach Istanbul mitgenommen. Aber was mich geeindruckt hat ist wie du dich so gut verständigen konntest? 🙂

    LG Kübra (E-mail: kubraaslantepe@hotmail.de)

  • Antworten Anonym 22. Oktober 2013 at 16:45

    Top!

  • Antworten Tulla and Catie 6. Dezember 2013 at 22:29

    Was für ein toller Bericht über Istanbul! Schade, dass ich ihn erst jetzt gefunden habe. Wir waren im letzten Dezember dort und haben uns in diese schöne Stadt verliebt. Wir wohnten im alten Teil von Istanbul und haben auch alles zu Fuß erkundet. Doch wir haben noch längst nicht alles gesehen und kommen bestimmt bald wieder. Danke für deine Tipps! Liebe Grüße, Barbara

  • Hinterlasse einen Kommentar

    5 × fünf =