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{Wedding Special} Warum eine Hochzeit nicht der schönste Tag im Leben sein sollte.

18. Juni 2013

Weil heute ein ganz besonderer Tag ist, muss ich einfach ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. In Hochzeitserinnerungen. Denn heute vor zwei Jahren haben wir geheiratet. Und dafür, dass der heutige Lieblings-Ehemann das Jahr davor klaglos ertragen hat, obwohl ich mich in eine klitzekleine Bridezilla (aka Hochzeitsplanungs-Monk) verwandelt hab, allein dafür könnt ich ihn glatt noch einmal heiraten. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er mir für ein zweites Jawort kein ganzes Jahr Planungszeit geben würde…

Wenn ich als Kind von etwas geträumt hab, dann davon, eine wahnsinnig erfolgreiche Astrophysikerin zu werden (<- für die Jüngeren: ich entstamme der Top Gun Generation. Und die Freundin von Kampfpilot Maverick aka Tom Cruise war damals eben diese rasend gut aussehende Astrophysikerin). Oder eine berühmte Schriftstellerin. Oder davon, mit einem Motorrad durch Island zu kurven. Aber eine Hochzeit? Die kam in keinem meiner Träume vor. Heiraten, das war altmodisch und spießig und langweilig und überhaupt ganz fürchterlich bäh. Quasi genauso spießig und bäh wie Küchenmaschinen…

Nun sind Prinzipien ja zum Glück dafür da, um über den Haufen geworfen zu werden. Aber ich hab mich lang gefragt: Braucht man wirklich eine amtliche Bestätigung dafür, dass man „Ja“ zueinander sagt? Zum wichtigsten Menschen in seinem Leben? Zur Liebe zueinander? Nein, zum Glücklichsein braucht man das bestimmt nicht. Und trotzdem gibt´s kein schöneres Gefühl, als sich gemeinsam zu diesem „Ja“ zu bekennen. Und es zusammen mit all denen feiern zu können, die einem am Herzen liegen.  

Da ich es 36 Jahre lang versäumt hatte, mir auszumalen, wie meine Hochzeit mal aussehen würde, musste ich das dann also innerhalb eines Jahres nachholen. 
Dabei waren: 
Spontane Panik-Anfälle: „Duhu, wir finden nieeeee eine Location, die uns gefällt und in der es keine Organza-Stoffstreifen mit Plastikefeu und Gemüseplatten mit Sauce Hollondäääähs gibt“.

Kleine Katastrophen: 80 Gastgeschenk-Fläschchen mit selbst angesetztem Rosmarin-Chili-Olivenöl schimmelten vor sich hin und musten neu angesetzt werden.
Mittlere Katastrophen: Wir heirateten auf der Höhe der Ehec-Epidemie. Und suchten schon nach Alternativen zur Gurke im Pimm´s und zum Wildkräutersalat in der Vorspeise, als man zum Glück herausfand, dass Sprossen die Übeltäter waren. Übrigens war unsere Location knappe 2 km vom Ort entfernt, an dem das Ehec-Übel seinen Anfang nahm…

Katastrophale Katastrophen: Am Tag vor der Trauung ruft die Standesbeamtin an und sagt: „Nein, Frau W., die Trauung kann morgen doch nicht wie geplant im Freien statt finden. Und auch nicht im Fallback-Raum – der wurde leider dummerweise anderweitig vermietet.“

Hochgezogene Augenbrauen in meinem Umfeld: Wozu bitteschön braucht man ein Farbkonzept und haufenweise Moodboards für eine Hochzeit? Was sind Freudentränentaschentücher? Und Wedding Bubbles? Wie, du schreibt 58 Powerpoint-Charts Dienstleisterbriefings? Hast du nen Knall? 

Große Liebesbeweise: Location-Check-Fahrten quer durch Norddeutschland im heißen WM-Sommer bei 35° im Schatten im schwarzen Toyota ohne Klimaanlage.

Endlose (und leiderleider erfolglose) Diskussionen mit der Hochzeitstortenbäckerin: „Frau W., man kann doch nicht NICHTS auf eine Hochzeitstorte stellen. Das sieht doch so nackig aus! Wie wäre es wenigstens mit künstlichen Rosen, wenn Sie schon kein Brautpaar wollen?“

Fassungsloses Entsetzen: Ich sag nur Hochzeitsmessen, auf denen man DJs trifft, die nebenbei auch noch die Fotos machen und einem eine rosa Stretch-Limo und ein paar Täubchen vermitteln wollen.
DIY aka Bastel-Attacken: Ringschale und Gastgeschenke-Anhänger aus Fimo Air, Freudentränentaschentücher aus Kopierpapier, selbstgemalter Sitzplan auf Leinwand, Schildchen aus Pappmache und MDF-Buchstaben, Anti-Hangover-Kits, Flip Flops für müde Tanzfüße und haufenweise anderes Gedöns. 

Erweiterung des eigenen Horizonts: Birdcage Veils, Side Buns, Fishtail, Photo Booths und Engagement Shootings waren bislang böhmische Dörfer für mich.
Unzählige irre wichtige Entscheidungen: Kalb oder Rind im Hauptgang? Pimm´s oder Hugo zum Sundowner? DJ oder Band? Die Stylistin oder die andere? 

Akuter Platzmangel: Das Arbeitszimmer wurde kurzerhand zum Hochzeitslager umfunktioniert. Der Mann war sehr glücklich, als er es nach einem Jahr wieder bekam.
Bekloppte Aktionen: Weil wir unbedingt personalisierte M&Ms haben wollten, man die in Deutschland aber nur mit Text und nicht mit einem Motiv bedrucken lassen kann, orderten wir die M&Ms kurzerhand in den USA.

Stundenlanges Surfen: Wusstet ihr, wie viele tolle Hochzeitsblogs es gibt? 
Große Zweifel: Hätt ich nicht doch noch eine Foto Booth und eine Candy Bar organisieren sollen?
Wunderbare Situationskomik im Brautmodenladen: Sahnebaiser-Kleid mit Popo-Propeller und den großartigen Spruch des Trauzeugen: „Das ist toll, das kannst du glatt ein zweites Mal tragen!“
Große Dankbarkeit: Für den allerpassendsten und unpeinlichsten Junggesellinen-Abschied, den ich mir nur wünschen konnte.
Hysterische Heulattacken ob der Wettervorhersage: Regen, Regen, nix als Regen. Und ebenso hysterisches Abklappern aller Drogerien am Vortag der Hochzeit auf der Suche nach Regenschirmen, die zum Farbkonzept passen.

Nagende Ungewissheit: Wird es der Neu-Ehemann schaffen, mich in der Nacht der Nächte aus meinem Kleid mit den vielen kleinen Popel-Knöpfchen zu häkeln? Jawoll, die Knöpfe bekam man nur mit der Häkelnadel auf und zu.

Und immer: Große, große Vorfreude auf den großen Tag. Das Wissen, das absolut Richtige zu tun. Den besten Mann an meiner Seite zu haben. Und gleichzeitig die Hoffnung, dass die Hochzeit nicht der schönste Tag im Leben werden würde – denn das bedeutete ja, dass es für den Rest des Lebens nur noch abwärts gehen könnte.

Und mit unglaublichen zwei Jahren Abstand kann ich nur sagen: So eine richtig schöne Hochzeit ist was ganz Wunderbares – ich kann´s jedem nur empfehlen! 


Credits

Location: Gut Bardenhagen
Fotograf: Matthias Richter
Haare / Make Up: Steffanie Kroll
DIY Materialien: Idee Creativmarkt
Personalisierte M&Ms: Mymms.com
Musik: Nite Club
Flip Flops: Irgendein 1-Euro-Markt
Druck Save-the-Date-Magnete: Vistaprint
Mini-Cards als Label für Zellophan-Tütchen: Moo.com
Druck Papeterie: Flyeralarm
Planungshilfen und Blogs: The KnotProject WeddingGreen Wedding ShoesRuffled Blog100 Layer CakeFräulein K sagt jaGrey Likes Weddings

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15 Kommentare

  • Antworten Manu 18. Juni 2013 at 23:09

    Meine Liebe, ich muss dir ein riesiges GEFÄLLT MIR aussprechen! Tolle emotionen, super Hochzeitsfotos – einfach alles perfekt.
    ich habe auch vor 2 Jahren, genau am: 4.6.2011, geheiratet und hatte fast alles, was du hattest (auch das lila/weiße Farbkonzept). Ich war die bridezilla schlechthin. Damals kannte ich Blogs noch nicht so wirklich-deshalb hat man mich in diesen 15 (!!) Monaten Vorbereitungszeit nur mehr im heimischen Hochzeitsforum gefunden 😛 Ich hatte dicke Notizbücher, Excel Listen, HZ Zeitungen, etc etc. Die M&Ms wollte ich auch, bin aber davon wieder abgekommen. Wir haben uns damals für Kuchen im Glas als Give Away entschieden. Bei uns wusste auch keiner, für was man Weddingbubbles braucht, oder eine Leinwand mit den Tischnummern mit Namen drauf braucht. hm. Ich war in meinem Element und mein Mann hat da auch wirklich gut mitgespielt – obwohl er sehr oft nur mehr den Kopf geschüttelt hat 🙂 Nach der HZ konnte ich mit Recht behaupten, in der ganzen Welt HZ Accessoires eingekauft zu haben hihihi. Von China bis nach Amerika! Hoch lebe das WWW.
    aber so ist es: 2 Jahre ist es nun schon her und schön wars! Denke aber nicht, dass ich sooooo groß nochmal feiern würde.

    Liebe Grüße, Manu

    • Antworten Seelenschmeichelei 19. Juni 2013 at 16:14

      Was für liebe Worte, da werd ich gleich ein paar Zentimeter größer. Vielen Dank dafür! Jaaa, das Hochzeitsforum kenn ich auch noch. Und 15 Monate Vorbereitungszeit lassen wirklich viel Platz für Bridezilla-Attacken. 🙂

      Auch liebe Grüße!

  • Antworten Wohnliebe 19. Juni 2013 at 4:18

    Wow, das sind wundervolle Impressionen und als ich die kleine Kapelle gesehen habe und die Fotos der Location wusste ich sofort wo Du geheiratet hast. 😉 Ich habe auch dort geheiratet allerdings in der Wassermühle und nicht in der Kapelle. Wir waren auch nicht im grossen Saal dafür im Gutshaus. Das war auch eine wundervolle Location. Aber eben für eine kleinere Feier. Ich hatte davon geträumt in dem großen Saal zu feiern, aber da hätten wir uns definitiv verlaufen mit den kleinen Gesellschaft. So war aber alles in einem. Die Feier und die Zimmer in einem Gebäude. Es war ausgesprochen schön.

    Ich kanns gar nicht fassen, was Du da alles auf die Beine gestellt hast. Unfassbar. Ich wollte auch so unendlich viele Sachen, aber wir haben uns auf ein paar wenige Dinge geeinigt. Das war für uns mehr als ausreichend, denn dat hat schon ne gefühlte Ewigkeit gedauert. 😉 Und viel Zeit gefressen.

    Für mich war es der schönste Tag im Leben. Ich war total releacxt und was nicht geklappt hat… hat nicht geklappt. Dass war unser Tag und wir haben ihn genossen. Wir haben uns um nix gekümmert an diesem Tag…

    Herzlichen Dank für diesen wundervollen, ehrlichen Post und diese wundervollen Einblicke in Euren Tag.

    Ganz liebe Grüße,
    Miriam

    • Antworten Seelenschmeichelei 19. Juni 2013 at 16:19

      Ohwietoll, eine Location-Schwester. 🙂 Hachja, das Gut ist schon ein Traum. Wir fahren immer noch gern hin. Auch, weil ich wahnsinnig gern in der Remise nach Deko-Gelöt stöbere…

      Sommersonnige Grüße!

  • Antworten henneh 19. Juni 2013 at 7:57

    Traumhaft schön geschrieben, liebe Conny. Und so lustig und ehrlich. Jan + Conny = janny which seems to be a super team <3

    Big tiger hugs to you,
    Jeanny

  • Antworten Carola 19. Juni 2013 at 8:39

    Alles Liebe zum Hochzeitstag euch beiden! Die Fotos sind so wunderschön, dass ich mal wieder ein Tränchen im Auge habe…

  • Antworten p-moments 19. Juni 2013 at 11:37

    WOW, was für eine perfekt organisierte Hochzeit!
    Hut ab, so etwas braucht Zeit, Nerven und Geduld!
    Wunderschön ist alles!

    Alles Liebe zum Hochzeitstag!

    LG,
    edina.

  • Antworten Tina 19. Juni 2013 at 14:16

    Die besten Glückwünsche auch von mir!
    Perfekt ist kein Ausdruck für diese Organisation, bin ohne Worte.
    Ich kann gar nicht heulen, so gut ist das..
    viele Grüße

  • Antworten Karin 19. Juni 2013 at 17:15

    Liebe Conny,

    da ich selbst vor zwei Wochen geheiratet habe, sprichst du mir in sooo vielen Punkten aus der Seele.
    Auch ich hatte mein komplettes Leben nie großen Wert auf meine Hochzeit gelegt. Ich hatte das immer mit "Irgendwann mal…" abgestempelt.
    Als wir uns zwischen Hochzeit und Kinderwunsch entscheiden "mussten" war es daher kein Wunder, das ich selbstverständlich das Kind zuerst wählte. Nunja, wie dem auch sei. Am Ende haben wir es, nach 9 Jahren, doch noch an den Altar geschafft und für uns war es wunderbar.
    Obwohl es geregnet hat wie aus Eimern, obwohl wir keine Fancy – Superchic – Location finden konnten für dieses Datum. Es gab so viele "Obwohls" und trotzdem würd ichs wieder so machen ;o)
    Ich muss dir auch an dieser Stelle in RIESEN Kompliment aussprechen.
    Unglaubliche tolle Ideen. Habe ich teilweise noch nie gesehen.
    Tolle Grafiken, tolle Bilder, die Torte (!) – ich bin echt schwer beeindruckt. Vielen Dank für's Teilen dieser tollen Bilder!

    Ganz liebe Grüße

    Karin

    • Antworten Seelenschmeichelei 19. Juni 2013 at 17:44

      Oh wie aufregend, herzlichen Glückwunsch, liebe Karin! Neun Jahre sind doch eine perfekte Probezeit.
      Ich finde ja, man zwischen all dem schnieken Gedöns immer wieder bewusst machen, dass es so gar nicht um fancy Locations und Regengüsse und Weddingbubbles geht. Sondern um die Liebe zwischen zwei Menschen. Und das Bekenntnis dazu. Das ist wichtig. Alles andere ist nur schönes Drumherum. :wortzumsonntag:
      Genieß das Eheleben! Fühlt es sich anders an? (Hat´s bei mir so gar nicht, ich unromantisches Ding).

      Liebe Grüße
      Conny

    • Antworten Karin 20. Juni 2013 at 7:55

      Hallo Conny,

      also bisher fühlt es sich nicht anders an! Nur mein neuer Nachname geht mir noch schwer über die Lippen und meine Unterschrift dauert nun gefühlte Jahrhunderte. Mein alter Name hatte nur 4 Buchstaben und nun habe ich 9 *uff*

      Liebe Grüße

  • Antworten Schlotti 19. Juni 2013 at 20:11

    Oh Göttchen, ich bin ganz sprachlos. Und TIERISCH begeistert!
    Wie hast du das bloß geschafft? Ich wäre nach 1 Monat Planun vermutlich schon zusammengebrochen 😀

  • Antworten Sophie 20. Juni 2013 at 16:09

    Wie schön! 🙂
    Also deine Sätze klingen ja ganz schön Chaotisch, aber was man den Bildern entnehmen kann muss das ja eine echte Traumhochzeit gewesen sein! 🙂
    Richtig toll! 🙂

    Liebe Grüße,
    Sophie ♥

  • Antworten Nicest Things 21. Juni 2013 at 12:45

    Oh. Mein. Goooooott!!!! *plumps* (haste gehört? ich bin grad umgefallen) Das gibt es ja nicht! Solche Hochzeiten gibt es in echt? Das Farbkonzept, die ganzen Details, die Fotos… der Wahnsinn, supermegaknallerbombenschön! Besser geht's echt nicht. Genau so würde ich mir das auch wünschen. Denk… denk… Connyyyy…? *liebguck* würdest du…? 😀
    Da siehst du, ich bin so hin und weg von eurer Hochzeit, dass es mir schon komplett die Satzstrukturen zerhaut und ich gar nichts Zusammenhängendes mehr herausbekomme! Auch zu deiner Bemerkung mit den Organzastreifen und dem Efeu kann ich nur wild zustimmend mit dem Kopf nicken. Und das auf dem ersten Bild, bist das du? Wow. Ganz herzlichen Glückwunsch auch an deinen Liebsten :)))

  • Antworten Marie-Kristin Rust 21. Oktober 2013 at 14:39

    Hach, deinen Hochzeitsbericht habe ich mit Vergnügen und größtem Verständnis gelesen 🙂
    Ich hätte nie gedacht, dass 1 Jahr Hochzeitsvorbereitungen eine Frau zur Bridezilla werden lassen… bis mir im letzten Jahr die alles entscheidende Frage gestellt wurde ( 2 wochen vorher hatte ich meinen Schatz auf dem Rückweg unserer HH-Reise zum Gut Bardenhagen gelotst-"Biiiiiitte, ich will es mir dort nur mal ansehen") 😉
    Und BÄÄHM- Farbthema? Motto? Candybar? Ich war im Hochzeitstaumel, mein Freund nur noch bei der Arbeit 😀 In deinem Bereicht finde ich mich sowas von erschreckend wieder… hihi! Und warum in aller Welt wollen Tortentanten (wie wir sie inzwischen liebevoll nennen) immer Figürchen und Rosen auf der Torte?! Naja, nach 387 Tagen, Nervenzusammenbrüchen, verzweifelter Suche nach lila Süßigkeiten, 100 Flaschen selbst gemachtem Lavendelsirup, verrückt werdender Mutter ( und Bräutigam) endlosen Stunden im www, und allem was sonst dazu gehört, haben wir 2 der schönsten Tage unseres Lebens in vollen Zügen genossen! Und Bardenhagen war ein Traum.
    Vielleicht treffen wir uns ja irgendwann einmal zufällig beim Urlaub machen auf'm Gut 😉

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