Eis Rezepte

Was Wellensittiche mit Eisbechern zu tun haben. Und: Ein Caffè-Eis mit Salzbutterkaramell.

8. Juli 2013

Weil hier im Norden gerade die Sommerferien in vollem Gang sind, ist mir eine klitzekleine Anekdote aus meiner Kindheit eingefallen. Nunja. Anekdote ist reichlich euphemistisch, eigentlich ist´s mehr ein Geständnis. Hust. Aber von vorn.

Als Kind gab´s für mich natürlich nichts Schöneres als Sommerferien. Dann wurden Schäufelchen und Eimerchen und Gummidelphine und Badehose und kleine Schwester eingepackt und es ging… nein, nicht zum Wannsee, sondern mit dem Wohnwagen gen Süden. Nur einer durfte nicht mit. Hansi. Unser gelb-grüner Wellensittich. Gut, ich muss gestehen: zu tief war meine emotionale Bindung an Hansi wohl leider nie (das wäre bei einer Katze oder einem Meerschweinchen oder einem Hamster gaaaanz anders gewesen. Hörste, liebe Mama?). Und so war der Abschiedsschmerz irgendwie dann auch nie allzu groß.

 

 

Eines Abends auf unserem Campingplatz an der Adria passierte dann etwas ganz Merkwürdiges. Ein Anruf. Nun war es ja in den frühen Achtzigern noch nicht so, dass jeder morgensmittagsabends ein Handy mit sich herum trug. Damals gab´s noch Telefonzellen (die Älteren unter Euch werden sich erinnern…). Und einen Anruf im Ausland zu bekommen war schon etwas sehr Außergewöhnliches. Und so wussten Mama und Papa dann auch gar nicht so genau, wie sie uns die Neuigkeiten beibringen sollten:

Es sei etwas Trauriges passiert. Hansi sei jetzt im Himmel. Aber wir sollten uns keine Sorgen machen, da im Himmel würde es ihm ganz prächtig gehen. Und damit es meiner Schwester und mir auch wieder prächtig ginge, würden wir jetzt einen ganz schönen großen Eisbecher essen gehen. Mit Schirmchen? Ja, mit Schirmchen. Und ich gestehe schon wieder: Die Aussicht auf einen großen Eisbecher mit Schirmchen ließ mich den Verlust von Hansi in einem ganz anderen Licht sehen.

 

Tja, was soll ich sagen… für mein Kinder-Ich war ab sofort fest verknüpft: Toter Wellensittich = großer Eisbecher. Und so hoffte ich insgeheim immer, dass die Nachfolger von Hansi (als da wären Butzi und Susi) auch dann das Zeitliche segnen würden, wenn wir im Urlaub wären. Heute schäm ich mich auch ein bisschen dafür.

Ich weiß nicht, ob man Wellensittich-Seelen mit einem italienisch angehauchten Eis versöhnen kann – aber ich versuch´s einfach mal.

 

 

Caffè-Eis mit Salzbutterkaramell

 
Fürs Eis
Zwei Liter Milch
50 Gramm Zucker
1 Tütchen löslicher Espresso
Die Milch in einer beschichteten Pfanne mit tiefem Rand erhitzen. Einkochen, bis nur noch ein halber Liter übrig ist (das dauert so etwa eine Dreiviertelstunde). Zucker und Espresso zugeben. Und kalt stellen.
Jetzt die Masse entweder in der Eismaschine nach Anleitung gefrieren lassen. Oder in eine flache Metallschüssel geben, für 2-3 Stunden in den Tiefkühler stellen und alle 15-20 Minuten ordentlich mit dem Schneebesen durchrühren, damit sich keine Eiskristalle bilden. Am besten schnell genießen – denn beim erneuten Durchfrieren wird das Eis durch seinen geringen Fettgehalt bretthart.
Für den Karamell
75g Zucker
1 Esslöffel Wasser
25g Butter
50g Sahne
Eine Prise Fleur de Sel
Zucker und Wasser auf kleiner Flamme zu einem goldgelben Karamell kochen. Stückchenweise die Butter dazu geben (obacht, das spritzt!) und zwei Minuten köcheln lassen. Jetzt den Topf vom Herd ziehen und die angewärmte Sahne schlückchenweise unterrühren. Mit Fleur de Sel abschmecken und abkühlen lassen.
Den Salzbutterkaramell über das Caffè-Eis träufeln. Und dann flugs vor fremden Eislöffeln in Sicherheit bringen.

 

 

Genießt den Sommer, jetzt wo er endlich da ist! Packt die Badhose aus, bohrt die Zehen in den warmen Baggerseestrand und lasst Euch ein Eis auf den Bauch tropfen.

 

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6 Kommentare

  • Antworten Karin 8. Juli 2013 at 9:15

    Ohje der arme Hansi ;o)
    Herrlich die Geschichte! Ich hatte als Kind nie Haustiere, wollte aber immer unbedingt welche haben. Leider hat meine Mutter eine starke Tierhaarallergie. Aber als Trost habe ich auch so manches Eis genossen, also war es wieder okay! *grins*

    Liebe Grüße

  • Antworten Wohnliebe 8. Juli 2013 at 12:32

    Oh lecker!!! Ich habe auch so was in der Art gemacht, aber als Brotaufstrich aus dem Kühlschrank. Wenn es nicht im Kühlschrank kommt bleibt es auch schön flüssig und schmeckt hervorragend zu Eis. Das ist auch ne Bombe. Solltest Du auch mal ausprobieren. Absolutes Suchtpotential und nen Kanller für die Hüften. 😉

    http://kleinewohnliebe.blogspot.de/2013/06/confiture-caramel-au-beurre-sale.html

    Ich werd mir das hier gleich mal auf die Todo-Liste setzen und gucken, wie das schmeckt!

    Herzlichen Dank und liebe Grüße,
    Miriam

    • Antworten Seelenschmeichelei 8. Juli 2013 at 14:13

      Ah, köstlich! Deine Version enthält noch mehr Butter… ich mag sie jetzt schon. 😀

  • Antworten seezwerg 10. Juli 2013 at 18:53

    Armer Hansi,
    meine Oma hatte auch immer Wellensittiche,
    viele male mussten wir sie wieder einfangen,
    weil sie durchs Fenster entflohen,
    so standen wir oft Stunden unter den Bäumen und riefen
    "Hansi komm, komm doch bitte……"

    Deine Eiskreation ist zum Anbeißen oder auch auflutschen

    Liebe Seezwerggrüße

  • Antworten Geschwister Gezwitscher 16. Juli 2013 at 8:15

    Oh man das sieht so super aus. Da vergisst man Hansi wirklich. 🙂 Ich habe erst einmal salziges Karamell gegessen und wusste nicht so recht wie mir geschieht. Jetzt muss ich unbedingt deine Sauce nachmachen, bin ja nun vorbereitet und ich glaube, das wird mir schmecken. Vielleicht auch mit Schokoeis? Musstest du dich auch erst an den Geschmack gewöhnen?
    Habe eine tolle sonnige Woche, liebste Grüße, Eva

    • Antworten Seelenschmeichelei 17. Juli 2013 at 18:07

      Laut dem Lieblingsehemann passt Schokoeis vieeeel besser. Das Salz ist im Rezept übrigens recht dezent – Geschmacksschock hoffentlich ausgeschlossen. Erzähl mal, ob´s geschmeckt hat!
      Auch liebe Grüße
      Conny

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