Fisch & Fleisch Omas Klassiker Rezepte

Schmankerl-Abend

17. Februar 2013

Wenn zierliche, wunderhübsche Frauen leuchtende Augen kriegen, dann sind gemeinhin die neue Frühjahrskollektion des Lieblingslabels, ein kleines türkisfarbenes Schächtelchen, eine Tortenplatte von IB Laursen oder ein Schuhpaket vom Versandhändler des Vertrauens im Spiel. Ganz anders bei der zierlichen, wunderhübschen Frau, die uns kurz vor Weihnachten besuchte. Ihre Augen leuchteten bei der Aussicht auf eine resche, bayerische Schweinshaxe. In Anbetracht der Tatsache, dass sie (die Frau, nicht die Schweinshaxe) Engländerin ist und seit mehreren Jahre in Dubai lebt, kann ich ihren Schweinshaxen-Jieper ziemlich gut nachvollziehen. Und obwohl wir in der Haxn-Diaspora leben, bekommt man auch in Hamburg mittlerweile ganz ordentlich zubereitete süddeutsche Klassiker. 

Auch der amerikanische Freund, der uns am Wochenende besucht hat, freut sich jedes mal wie Bolle auf German cuisine. Und das bedeutet: Wir gehen ins Haxnparadies aka Franziskaner. Oder ich mach Krustenbraten mit Klößen (<- ja, bei mir heißt das Klöße und nicht Knödel, ich komm nämlich aus Franken). Ich überlege immer, wie der Gute gucken würde, wenn ich stattdessen einen ordentlich durchgemantschten Labskaus, knusprige Scholle und Rote Grütze mit flüssiger Sahne auf den Tisch bringen würde. Ist für ihn doch die bayerische Küche die einzig wahre deutsche Küche.  Andererseits… wie viele Deutsche verlangen auch in Norditalien nach Pizza? Wer kennt schon den Unterschied zwischen Südstaatenküche und California Cuisine? 
Also verschieb ich die Lektion in „Kulinarik für Auswärtige“ auf unbestimmte Zeit und widme mich lieber den Leckereien des Tages. Weil ich mich immer irgendwie unwohl fühle, wenn ich meinen Gästen öfter das gleiche Essen auftische, darf das schwäbisch-hallische Landschwein heute aufatmen. Statt Krustenbraten gibt´s einen Schmankerl-Abend. 
Dass ich schon nach kürzester Zeit eine kleine Blog-Macke hab, lässt sich übrigens daran feststellen, dass ich für ebendiesen Schmankerl-Abend un*be*dingt einen Martha Stewart Stanzer bestellen musste, um die Labels mit den Namen der Gerichte (sic! Macke! Aber kann es eine schönere geben?) in einen hübschen Spitzendeckchen-Look bringen zu können. Auch klar, dass es für drei Personen nicht einfach ein Gericht sein kann, nein, es müssen fünf sein. Aber gut, sonst wär´s halt auch kein Schmankerl-Abend.
Und so bleibt eigentlich nur noch eine Frage:

Vorneweg gab´s die Auswahl zwischen: 

Rauch-Saibling auf Radieschen-Salat


Ein Bund Radieschen
Vier Esslöffel saure Sahne
Ein Esslöffel Essig
Ein Esslöffel Sonnenblumenöl
Ein Teelöffel Zucker
Ein bis zwei Esslöffel Schnittlauch
Eine gute Prise Meersalz
Frisch gemahlener Pfeffer
Geräucherter Saibling
Meerrettich
Die Radieschen in feine Scheibchen schneiden. 
Aus saurer Sahne, Essig, Öl, Salz, Pfeffer, Zucker und Schnittlauch eine Marinade rühren.
Mit den Radieschen vermengen und mindestens eine Stunde durchziehen lassen.
Den Saibling zerteilen und auf dem Radieschensalat anrichten. 
Mit einem Klecks Meerrettich krönen.


Obatzda


Wahrscheinlich gibt es so viele Obatzda Rezepte wie bayerische Wirtshäuser. Meiner ist ohne den obligatorischen Kümmel (Kümmel gehört neben Anis und Fenchel zu den wenigen Dingen, mit denen man mich jagen kann) und geht so:
200g Brie oder Camembert 
200g Blauschimmelkäse
Ein Teelöffel Rosenpaprika
Ein Esslöffel edelsüße Paprika
Ein Esslöffel Essig
Ein Teelöffel Zucker
Zwei Esslöffel Milch
Pfeffer nach Belieben
Eine fein gewürfelte Zwiebel – wenn man rohe Zwiebeln verträgt
Nehmt den Käse früh genug aus dem Kühlschrank, denn kalter Käse schmeckt erstens nicht und lässt sich zweitens schlecht verarbeiten. Schneidet den Käse grob in Würfel und gebt ihn mit den beiden Paprika-Pulvern, Essig, Milch und Zucker in eine Rührschüssel. Jetzt mit dem Handmixer zu einer schön schlotzigen Masse verquirlen. Falls der Käse zu fest ist (das hängt immer vom Fettgehalt ab) noch einen Schuss Milch nachgießen. Der Obatzde soll cremig sein, nicht zu flüssig und nicht zu fest. Abschmecken. Fertig. 

Weil nicht jeder rohe Zwiebeln verträgt, serviere ich die in einem Extra-Schüsselchen zum selber mixen. Das hat zudem den Vorteil, dass man den Obatzden auch noch am nächsten Tag verputzen kann, ohne vom Aroma roher Zwiebeln ausgeknockt zu werden. 

Blutwurstrudel mit Vogerlsalat

Fünf Blätter Strudelteig / Filoteig aus dem Kühlregal
Eine kleine Dose Sauerkraut
Ein säuerlicher Apfel, z. B. Boskop
Zwei frische Blutwürste 
Ein Eigelb
Ein paar Stengel Thymian
Vier Handvoll Vogerlsalat (hochdeutsch: Feldsalat)
100g Katenschinkenwürfel
Eine halbe Zwiebel
Vier Esslöffel Balsamico
Ein Teelöffel Ahornsirup (eine Prise Zucker geht auch)
Ein Esslöffel Olivenöl
Meersalz
Frisch gemahlener Pfeffer

Ja, ich weiß, sie ist nicht jedermanns Sache. Und eine Schönheit ist sie auch nicht. Blutwurst. Frische, nicht geräucherte. Ab und zu muss sie einfach beim Metzger in meinen Einkaufskorb hüpfen. Ich mag sie klassisch neben einer frischen Leberwurst neben Sauerkraut und Salzkartoffeln. Oder in diesen knusprigen Strudel versteckt. 
Und der ist ratzfatz gemacht.
Die Blutwurst in Scheiben schneiden. Den Apfel schälen und würfeln. Den Thymian abzupfen. Die Strudelblätter übereinander legen. Dann kommt auf die zu Dir zeigende Hälfte der Strudelblätter erst eine dünne Schicht Sauerkraut, darauf die Apfelwürfelchen, darauf zwei Reihen Blutwurstscheiben und zu guter Letzt die Thymianblättchen. 
Lass links und rechts je drei Zentimeter Rand. Dann rollst du den Strudel auf. 
Die Nahtseite kommt nach unten. Klappe die seitlichen Ränder unter den Strudel. 
Jetzt nur noch mit Eigelb bestreichen und ab in den Ofen. 
Umluft, 180°, 30 Minuten.
Vogerlsalat waschen, trocken schleudern und z. B. in kleine Weckgläser füllen. 
Für das Dressing Katenschinkenwürfel und Zwiebel in einer Pfanne bräunen. 
Dann mit Balsamico ablöschen (obacht, dabei nicht direkt in die Pfanne gucken, der Essig brennt übel auf den Schleimhäuten). Etwas reduzieren lassen, dann einen Schuss Wasser dazu und vom Herd ziehen. Etwas abkühlen lassen und dann mit Salz, Pfeffer, Ahornsirup und Olivenöl vermischen. Handwarm über den Vogerlsalat geben.

Das waren sie also. Die Vorspeisen. Wie der Schmankerl-Abend weiter ging, das erzähl ich Euch morgen. Ich muss jetzt nämlich dringend mit dem Gatten die Reste von gestern verputzen.

Genießt den Abend!
  

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16 Kommentare

  • Antworten Ina 17. Februar 2013 at 20:11

    einmal alle schmankerl bitte 😀
    sieht ja echt eins köstlicher aus als das andere ;D

    • Antworten Seelenschmeichelei 17. Februar 2013 at 21:35

      Nächstes Mal schick ich Dir ein Päckchen vorbei.

      Und überhaupt: Lieben Dank nochmal! 🙂

  • Antworten Mademoiselle Sofie 17. Februar 2013 at 20:30

    Echt köstlich!
    Ich komm mal schnell rum! 😀

    Liebe Grüße
    Lena

  • Antworten Norba 17. Februar 2013 at 22:22

    1. du hast einen sehr schönen Blog! Bin gerade bei der Blogvorstellung von "what Ina loves" darauf gestossen! und 2. ich finde deinen Strudel sooooooooooo lecker! du hast schon recht, die Blutwurst ist nicht jedermanns Sache… aber 1-2x/Jahr kann ich sie schon essen… Die Kombi Strudel/Wurst/Kraut ist einfach genial – ich liebe hausmannskost 🙂 Sag einmal, hast du Beziehungen zu Österreich? Fühle mich auf deinem Blog sehr heimisch *gg*
    lg Manu
    http://norba215.blogspot.co.at

    • Antworten Norba 17. Februar 2013 at 22:27

      ach ja, ich folge dir jetzt! leider habe ich nirgends einen button für follower gefunden :/ Macht nichts, so habe ich es halt händisch eingegeben… Ich muss mir ja unbedingt das Rezept herholen *g* Möchte den strudel nächste woche machen

    • Antworten Seelenschmeichelei 18. Februar 2013 at 9:32

      Daaaankeschön für die schönen Worte!
      Beziehungen zu Österreich… nur im Herzen… ich mag Österreich einfach total gern. Die Landschaften, die Leute, die Sprache, die Küche, die Weine. Falls du den Strudel machst: hau ruhig noch ne zweite Blutwurst rein, bei meinem war das Verhältnis Blutwurst-Sauerkraut noch zu krautlastig.

      Wie man das mit dem Follow Button macht, hab ich ehrlich gesagt noch nich begriffen. 😮 Kannst du helfen?

      Liebe Grüße
      Conny

    • Antworten Norba 18. Februar 2013 at 21:23

      geht eigentlich ganz easy *gg* Du gehst in dein Dashboard/Layout/Gadget hinzufügen/Links dann "weitere Gadgets" anklicken/Follower anklicken, speichern… FERTIG
      Und danke für den Tipp mit der 2. Blutwurst :))

  • Antworten Juli - mit Liebe gemacht 18. Februar 2013 at 8:18

    Oh was für ein schöner Blog und Hut ab, dass du die Blutwurst mit aufgenommen hast. Ich habe neulich lange an meinem Post übers Schlachten gefeilt, weil ich meine vegetarischen Leser nicht vergraulen wollte. Dabei ist Blutwurst doch so lecker.

    Du hast nun auf jeden Fall einen Leser mehr!

    Liebe Grüße

    Juli von http://juli-mitliebegemacht.blogspot.de/

    • Antworten Seelenschmeichelei 18. Februar 2013 at 9:34

      Vielen Dank, ich freu mich!!!
      Du hast mich neugierig gemacht, ich guck gleich mal nach deinem Schlacht-Post.
      Denn ich finde ja diese "ich-ess-nur-Fleisch-in-Filet"-Kultur bedenklich, ehrlich gesagt. Tiere bestehen eben nicht nur aus Filets. Viel respektvoller dem Tier gegenüber ist es doch, so viel wie möglich von ihm zu verwenden.

      Liebe Grüße
      Conny

  • Antworten Marlene 18. Februar 2013 at 9:49

    Wow, du hast einen wirklich schönen Blog. Ich habe mich ein wenig durchgeklickt und muss sagen, dass mir so gut wie jeder Post gefällt.
    Wieder eine Leserin mehr! 🙂

    Alles Liebe,
    Marlene

  • Antworten Anonym 18. Februar 2013 at 10:49

    Eine Wurst geht um die Welt! Vielen Dank für dieses Appetithäppchen!

  • Antworten Schwarzwald Maidli 18. Februar 2013 at 15:36

    Mmhh es sieht alles so lecker aus! Ganz tolle Rezepte und sehr Appetitanregende Bilder 🙂
    Deinen Blog kenne ich auch erst seit der Blogvorstellung von "what Ina loves" und ich bin begeistert. Noch eine Leserin dazu gekommen.
    LG s´Schwarzwald Maidli

    http://schwarzwaldmaidli.blogspot.de/

  • Antworten Karin 18. Februar 2013 at 18:11

    Liebe Conny,

    auch wenn ich kein Fan von Hausmannskost bin: Die Sachen sehen super aus. Traditionell in origineller Aufmachung. Dein Besuch hat sie bestimmt gefreut 🙂
    Und die Schildchen sind ja mal super süss. Mit den Spitzen dran – toll!

    Liebe Grüsse und einen guten Start in die neue Woche!

    Karin

  • Antworten ekule le 18. Februar 2013 at 19:14

    Tolle Fotos und schöne Rezept-Ideen. Bin ganz begeistert von den Gläßern, in welchen der Radieschensalat ist:)

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