Reisen Vietnam

{Travelguide Vietnam} Unterwegs mit Millionen Mopeds in Ho Chi Minh City & Hanoi

11. März 2015

Es ist kurz vor Tet, dem vietnamesischen Neujahrsfest. Ganz Vietnam ist auf den Beinen Mopeds unterwegs, um sich auf den wichtigsten Feiertag des Landes vorzubereiten. Da werden Berge an Essen auf den Märkten des Landes gekauft. Riesige Kumquat-Bäume – das Pendant zu unseren Weihnachtsbäumen – artistisch durch die Straßen der Großstädte manövriert. Ganze Familien inklusive Haustier auf einem einzigen klitzekleinen Moped durch die Gegend kutschiert. Oder halbe Hausstände auf dem Rad.

Vietnam ist eine Herausforderung für alle Sinne. Das Land knattert, lärmt & hupt ohne Unterlass. An unserem ersten Abend in Ho Chi Minh City, dem früheren Saigon, fragten wir in unserem Hotel (sehr empfehlenswert: das Nikko Saigon) nach einem Restaurant-Tipp in Laufweite. Der überaus freundliche Concierge blickte uns an, als hätten wir soeben nach der örtlichen Eislaufbahn gefragt. „You better take Taxi!“ Ehem, wir doch nicht. Wir sind noch in jeder Stadt zu Fuß gegangen, egal ob Bangkok, New York oder Singapur. Spitzenidee, das. Denn: In Saigon geht man nicht zu Fuß. Die Gehwege sind so ziemlich für alles da. Für Garküchen. Für Straßenverkäufer. Für parkende Mopeds. Für fahrende Mopeds. Nur zum Gehen – dafür sind sie nicht wirklich da. 

Die zweite große Herausforderung für frisch gelandete Vietnam-Reisende ist eine ganz gewöhnliche Straßenüberquerung. In Deutschland gibt´s Ampeln. In Bangkok gibt´s Fußgängerbrücken. In Vietnam gibt´s. Richtig. Mopeds. Und die fahren gern vierzehn- bis sechzehnspurig nebeneinander. Die einzige Möglichkeit, um über die Straße zu kommen: Man geht einfach los. Langsam – aber ohne zu stoppen. Und ohne panisch zur Seite zu springen oder mit einer spontanen Ohnmacht zusammen zu sinken. Erstaunlich – aber es funktioniert. Das wilde Verkehrsgewusel wird auf magische Art um einen herum fließen. Überwindung kostet das Ganze trotzdem jedes Mal aufs Neue.

Wir starten unsere 12-tägige Tour durch Vietnam in Ho Chi Minh City. Es ist die Art von Tour, die irgendwie jeder Reisende in Vietnam macht. Quer durchs Land – entweder von Nord nach Süd. Oder von Süd nach Nord. 

Wobei man Ho Chi Minh City getrost auslassen könnte. Die Stadt uns nicht in ihren Bann gezogen. Das, was wir sonst so gern machen – das Treibenlassen und Umherschlendern – macht in HCMC auch keinen allzu großen Spaß. Wer andere asiatische Metropolen wie Bangkok kennt und liebt, der wird von HCMC enttäuscht sein. Wir haben uns einen Tag genommen, um die Stadt zu entdecken – und das hat in meinen Augen auch völlig gereicht. 

Einen Besuch wert sind: Cholon, das chinesische Viertel mit dem ziemlich authentischen Binh Tay Markt. Der touristischere Benh Thanh Markt.

Der stimmungsvolle chinesische Hoi Quan Tue Tanh Tempel und die Jadekaiser Pagode.

Das War Remnants Museum. Viel Propaganda, klar. Aber nichtsdestotrotz ein aufrüttelnder und erschütternder Blick in die Geschichte eines Landes, das sehr viel zu erleiden hatte.

Das Kolonialviertel rund um die Dong Khoi Street mit der Kathedrale Notre Dame, dem Hauptpostamt, dem Opernhaus, dem Hotel Rex – und einer für ein sozialistisches Land erstaunlich hohen Dichte an Chanel, Prada und Louboutin. Davor packen dann mittags die Vietnamesen ihr Lunchpaket aus und essen erst mal in aller Ruhe.

Ausgehen kann man gut rund um die Bui Vien Street. Sehr lecker gegessen haben wir im Monsoon.

Von HCMC geht es in gut zwei Flugstunden nach Hanoi. Innervietnamesische Flüge sind übrigens überaus günstig zu haben, das Angebot an Verbindungen und Airlines ist groß.

Hanoi dann: Ganz große Liebe auf den ersten Blick. Treibenlassen, staunen, schmecken. Hanoi ist eine Stadt, die man ganz wunderbar zu Fuß erkunden kann. Wer zentral wohnen mag, dem sei das Essence Hotel & Spa ans Herz gelegt. Zauberhafter Service, schöne Zimmer und allerbeste Lage im Herzen der Altstadt. Die heißt auch „Viertel der 36 Gassen“ – und ist so wuselig-wimmelig wie charmant. Jede Gasse ist übrigens einem Handwerk gewidmet. Und so gibt es in der einen Gasse nur Silberwaren, in der nächsten nur Papier-Lampions und in der dritten nur Süßigkeiten. 

Ebenfalls ganz großartig: Das Streetfood in Hanoi. Ich finde ja immer: Ein fremdes Land lernt man am allerbesten mit dem Gaumen kennen. Und dafür sind die kleinen Streetfood-Stände und Garküchen in Hanoi allerbestens geeignet. 

Nirgendwo aßen wir ein besseres Bun Cha (Reisnudeln mit gegrillten Schweinefleisch-Bällchen, frischen Kräutern und einer süß-säuerlichen Soße) als in diesem kleinen Foodstall in der Nähe unseres Hotels (12 Dinh Liet). Bun Bo Nam Bo, eine Art lauwarmer Reisnudelsalat mit Rindfleisch, Mungosprossen, Koriander, Minze, gerösteten Zwiebeln und Erdnüssen, gibt es für wenig Geld in einer kleinen Garküche in der Hang Dieu Straße 67 (danke an Culinarypixel für diesen und viele andere tolle Tipps!) Banh Cuon, mit Schweinehack gefüllte Reismehlpfannkuchen sind etwas glibberig und daher nicht so ganz meins. Dafür mag ich die frittierten Schweinereien Bang Goi und Nem Chua Ran umso lieber. Der Gatte hält sich lieber an die frische, nicht frittierte Version der Frühlingsrollen (der Name Sommerrolle ist in Vietnam gänzlich unbekannt).

Eine weitere Spezialität Hanois ist – festhalten bitte – Egg Coffee. Yep. Kaffee mit Ei. Klingt seltsam. Schmeckt köstlich. Weil das Ei in Form einer Art Zabaione auf den Kaffee kommt. 
Überhaupt… Kaffee können sie, die Vietnamesen – ist das Land doch der zweitgrößte Kaffee-Exporteur der Welt. Der typisch vietnamesische Kaffee ist klein, stark und schwarz. Oder wird mit gezuckerter Kondensmilch serviert. Beides entweder heiß oder als Eiskaffee. Egal in welcher Variante – ich habe sie alle geliebt.

Wer Hanoier Hipster Teenies gucken will, der geht am besten in eine der Filialen von Cong Caphe, einer im sozialistischen Retro-Chic eingerichteten Kaffee-Kette. 

Ebenfalls ein Klassiker: Das Café Pho Co (11 Hang Gai). Nicht wundern, unter dieser Adresse ist erstmal ein Klamottenladen zu finden. Man geht dann einen dunklen Gang entlang, durchquert einen hübschen Innenhof, erklimmt noch zwei Stockwerke – und schwupps findet man sich auf einem Balkon mit wunderbaren Blick auf den Hoan Kiem See wieder. Bestellt wird übrigens gleich unten. 

Erfunden wurde der Egg Coffee übrigens im Cafe Giang. Auch nett dort, vor allem abends.

Weil man dann doch nicht den ganzen Tag im Café sitzen kann, geht´s jetzt weiter zum Hoan Kiem See. Der dürfte Hanois berühmtester See sein und trennt die Altstadt vom alten Kolonialviertel. Nebenbei scheint er eine der Lieblingslocations für Brautpaar Shootings zu sein. An jedem Baum ein Brautpaar, so kam´s uns vor. Und das, obwohl das Wetter wirklich nicht besonders war. 

Der Schildkröten Turm in der Mitte des Sees ist ein Wahrzeichen Hanois.

Über die rote Sonnenbrücke erreicht man ein kleines Inselchen mit dem Jadeberg-Tempel. 

Wenn man – so wie wir – kein Problem damit hat, 15 km an einem Tag zu marschieren, kann man jetzt noch weiter zum Ho Chi Minh Mausoleum und zum Tempel der Literatur. Ersteres ist nicht weiter erwähnenswert, Zweiterer ist ein wunderschöner Ort der Stille inmitten der Hektik der Stadt. 

Wer zwischendurch ein kleines Hüngerchen bekommt, der hat´s in Hanoi gut. Der nächste Foodstall ist nie weit entfernt. Auch einen kleinen Umweg wert sind die vietnamesischen Sandwiches bei Bánh Mì 25, 25 Hang Ca. Die sind granatenlecker. Während man darauf wartet, bekommt man einen Tee, Bananen und ein freundliches Lächeln. Alles gratis. 

Wir haben vier Nächte in Hanoi verbracht – und es hätten gut noch zwei, drei mehr sein können. Was für eine zauberhafte Stadt!

Im nächsten Teil des Travel Guide Vietnam geht es dann in die weltberühmte Halong Bay.

Habt es schön
Conny

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10 Kommentare

  • Antworten Svenja 11. März 2015 at 8:33

    Liebe Conny, ich bekomme Fernweh, wenn ich das lese und fühle mich direkt an unseren Vietnam Urlaub vor einem Jahr erinnert. Ich freue mich schon auf Part 2!

  • Antworten HIMMELSSTÜCK 11. März 2015 at 8:48

    Wunderschöner Einblick in ein faszinierendes Land. Vielen Dank!

  • Antworten eLLy coloured Wonderland 11. März 2015 at 9:42

    Hallo Conny,
    ich weiß ja nicht ob du schon wieder daheim bist.
    Falls nicht: schaut euch HoiAn und Sapa an,
    diese beíden Orte sind ein bisschen weniger touristisch
    und bieten noch echtes Vietnam!
    Liebe Grüße,
    eLLy

    • Antworten Seelenschmeichelei 11. März 2015 at 11:09

      Liebe eLLy,

      wir sind schon wieder zu Hause. Für Sapa war´s mir zu kalt. In Hoi An waren wir – zauberhaftes Städtchen (aber ehrlich gesagt fand ich es da um Welten touristischer als in Hanoi).

      Viele Grüße
      Conny

  • Antworten Fee ist mein Name 11. März 2015 at 10:09

    Wo, das sind tolle Einblicke. Ich glaube nicht, dass es mich jemals dorthin verschlägt, aber da ist es doch umso spannender virtuell mit anderen reisen zu können :)!

  • Antworten Tonkabohne Sabine 11. März 2015 at 19:46

    Liebe Conny,
    Ein wunderschöner,einzigartiger Reisebericht:-)
    Von Anfang bis Ende spannend zu lesen und soooo tolle Fotos…
    Freue mich schon auf den 2.Teil,
    Sabine

  • Antworten Danny | dtnbx 11. März 2015 at 20:16

    Ach, wie schön… Meine Heimat <3 Ich hoffe, dass ich es diesen Winter noch mal dahin schaffe 🙂

  • Antworten Tammy 13. März 2015 at 20:07

    Wie wunderbar, das kommt genau richtig, ich spare nämlich auf einen vierwöchigen Vietnam Urlaub gerade eben. Eigentlich wollte ich von Hanoi nach Saigon reisen, aber dank Deinem Beitrag überlege ich das umgekehrt zu machen. Zu mal in Hanoi Bekannte dann am Schluss zu besuchen wären.

  • Antworten Sandra 15. März 2015 at 19:11

    Liebe Conny,
    ich bin ja eigentlich eine stille Leserin deines Blogs, aber ich muss dir jetzt unbedingt sagen, dass dein Reisebericht der absolute Wahnsinn ist! Ich bin beim Lesen fast mit dabei gewesen – deine Tipps sind absolut großartig und die Bilder wunderschön!!!
    Danke dir für die tollen Inspirationen!
    Liebe Grüße,
    Sandra…

    P.S. … die während ihres Vietnam-Urlaubs vor 10 Jahren auch Todesängste beim Straßenüberqueren in Hanoi ausgestanden hat 🙂

  • Antworten Sabrina 23. März 2015 at 9:27

    Kann ich nur unterschreiben. Saigon war mir irgendwie auch zu fad. Hanoi auch beim zweiten Mal nicht langweilig. Das Café war auch einer unserer Favoriten. Komisch, daß es so bekannt ist und trotzdem so wenig los. Diese versteckten Dinge haben uns manchmal zur Verzweiflung gebracht, aber gelohnt hat es sich eigentlich immer, sie zu suchen (wie z.B. das Bittet Ong Loi)

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