Rezepte Vegetarisch

{Kürbisgnocchi mit Salbeibutter} Das perfekte Sonntags Soulfood.

9. November 2014

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Ich war Elf, als ich das erste Mal geschmuggelt habe. Vorsätzlich, mit einer wilden Mischung aus unbeirrter Entschlossenheit und einer Heidenangst. Gegenstand des Verbrechens war nichts weniger als eine Bravo. Die Tragweite dieser Tat versteht man nur dann, wenn man weiß, dass die Bravo das ultimative Must have aller Teenager der Achtziger. Die Foto Love Stories der Bravo waren quasi unser Youtube. Und dank Dr. Sommer wussten wir, dass man vom Küssen keinesfalls schwanger werden kann.

Diese Bravo habe ich über die deutsch-deutsche Grenze geschmuggelt. Sie war für meine Großcousins bestimmt, die in einer Welt aufwuchsen, in der sie nicht mal schnell zum Kiosk gehen und sich eine Cola oder ein Eis oder eben eine Bravo kaufen konnten. Wenn nicht genug Devisen im Land waren, um Rohkakao zu erwerben, gab es statt (ohnehin sündhaft teurer) Schokolade nur Schokoladenersatzprodukte.

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Der Auftakt unserer Besuche bei den Verwandten in der Deutschen Demokratischen Republik waren für mich immer von einer ganz widersprüchlichen Gefühlsmischung begleitet. Freude auf die Familie. Angst am Grenzübergang Rudolphstein mit dem Todesstreifen und den schwer bewaffneten Grenzern. Beklemmung angesichts der üblichen Behörden-Gängeleien wie der Meldepflicht (als „Eingeladener“ musste man sich binnen 24 Stunden nach Ankunft bei der Volkspolizei „melden“. Wehe, man betrat die Meldestelle mit einem fröhlichen Gruß oder einem flotten Spruch. Dann wartete man gleich ein Stündchen länger). Bestürzung über den fiesen Kohlendreck und das allgegenwärtige Grau. Und Staunen darüber, wie es Tante und Onkel doch wieder geschafft hatten, trotz leerer Auslagen und absurd hoher Preise einen Sonntagsbraten für den Besuch aus dem Westen zu organisieren.

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Einen Sonntagsbraten gibt es auch heute nicht. Sondern ein absolut fabelhaftes vegetarisches Gericht aus ganz einfachen Zutaten. Ein Kürbis, ein paar Kartoffeln, etwas Butter, etwas Mehl und ein bisschen Salbei – mehr braucht es nicht für diese wunderbaren Kürbisgnocchi mit Salbeibutter.

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Die serviere ich heute mit einer großen Portion Freude. Darüber, dass mutige Menschen vor 25 Jahren friedlich für ihre Freiheit gekämpft haben. Und damit Erfolg hatten.

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Kürbisgnocchi mit Salbeibutter

1 kleiner Hokkaido Kürbis
3 mittelgroße mehlig kochende Kartoffeln
125g Dinkelmehl
Frisch geriebene Muskatnuss
Meersalz
Frisch gemahlener Pfeffer
50g Butter
10 Salbeiblätter, gewaschen und trocken getupft
50g Parmesan, gerieben

Den Backofen auf 180° Umluft vorheizen.

Den Kürbis waschen und in Spalten teilen. Dabei das weiche Innere mit den Kürbiskernen heraus schaben. Die Kartoffeln waschen und der Länge nach vierteln.

Alles auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und in 35 bis 40 Minuten weich garen. Dann etwas auskühlen lassen. 

Kürbis und Kartoffeln stückweise ungeschält durch die Presse drücken – die Schale bleibt in der Presse hängen und kann ganz leicht entfernt werden. Es sollten etwa 500g Kürbis und 250g Kartoffeln sein.

Wer keine Kartoffelpresse hat, der stampft Kartoffeln und Kürbis mit einem Püree-Stampfer.

Jetzt das Mehl unter das Püree rühren und mit Muskatnuss, Salz und Pfeffer würzen. Den Teig etwa eine halbe Stunde ruhen lassen.

Einen großen Topf mit leicht gesalzenem Wasser aufsetzen. Mit zwei Löffeln Nocken formen und ins siedende Wasser geben. Bei kleiner Hitze etwa 3 Minuten simmern lassen. Wenn sie an die Oberfläche steigen, sind sie fertig. Mit einem Schaumlöffel herausnehmen und gut abtropfen lassen.

Die Butter in einem kleinen Topf zerlassen. Wenn sie anfängt zu bräunen, die Salbeiblätter hinein geben und kurz ziehen lassen. Die Gnocchi in der Salbeibutter schwenken und mit Parmesan bestreut servieren.

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Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, in denen es BRD und DDR gab? Habt ihr persönliche Mauer-Geschichten? Ich freue mich, wenn ihr sie in den Kommentaren erzählt.

Habt einen wundervollen Tag.
Conny

 

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12 Kommentare

  • Antworten Janine 9. November 2014 at 9:41

    Ein tolles Rezept zur Feier des Tages.
    Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch in der Ex-DDR, die Mauer war schon gefallen, aber das Grau war allgegenwärtig. Ich war gerade 7 Jahre alt und wir lebten in der Nähe der Grenze zu Sachsen-Anhalt.

  • Antworten Bonjour Alsace 9. November 2014 at 10:03

    Wunderbare herbstliche Gnocchi und eine Erinnerung an einen ganz besonderen Tag… der Tag, an dem ich mit unserem am 2. November 1989 geborenen Sohn aus dem Krankenhaus nach Hause kam… und vom Mauerfall im Autoradio hörte

  • Antworten Tonkabohne Sabine 9. November 2014 at 15:41

    Liebe Conny,
    Was für ein feines Gericht 🙂
    Ich war in den Achtzigern auf Klassenfahrt in der DDR…
    Für mich war das damals sehr beklemmend dort, wir hatten ein straffes Zeitprogramm das unter allen Umständen eingehalten werden musste.
    Am meisten störte mich die Verlogenheit und Schönfärberei der Funktionäre mit denen wir Kontakt hatten.
    Ich war sehr froh als wir die Grenze zur BRD passiert haben.
    Herzliche Grüße,
    Sabine

  • Antworten _our food stories_ 9. November 2014 at 16:03

    mhmm sieht das gut aus!! wir lieben kürbis, wir lieben gnocchi – perfekte kombi also <3
    alles liebe
    nora & laura

  • Antworten Andrea Pircher 9. November 2014 at 19:11

    Mhh, sehen die lecker aus. Mag ich total gerne jetzt im Herbst. Ich gebe noch etwas Parmesan in den Teig….
    Deine Fotos sind wieder so unglaublich schön.
    Liebst Andrea

    • Antworten Seelenschmeichelei 12. November 2014 at 19:32

      Danke für den Tipp – nächstes Mal kommt bei mir auch Parmesan in den Teig.

  • Antworten kochhelden .TV 9. November 2014 at 21:11

    Tolle Bilder. Mag ich…meine persönliche DDR-Geschichte hab eich heute selbst auf dem Blog erzählt. Übrigens hab ich nie eine Bravo bekommen. Nur Apotheken-Umschau-Heftchen.

  • Antworten Ina 11. November 2014 at 18:49

    absolut tolle story!!
    ich hab auch meine ganz persönliche ddr geschichte… aufgewachsen bin ich mit meiner mama (und deren eltern) in leipzig in der ddr. mein papa ist schon vor meiner geburt geflüchtet, hat alles vorbereitet, so dass meine mama und ich 1989 hinterherkommen konnten..(1/2 jahr vor dem mauerfall..) ich war damals erst 3, daher kann ich michnichtmehr an viel erinnern….
    ich habe glaube ich den halben sonntag reportagen geschaut und ganzschön gehult weil es mich mutig und bewundernswert finde, wie viel so viele auf sich genommen haben um frei zu sein…und weil ich so stolz auf meine eltern bin, dass sie das alles durchgezogen haben!!

  • Antworten Jeannette Hagen 27. November 2014 at 9:04

    Tolles Rezept und ein sehr authentisch geschriebener Eintrag. Ich habe beide Seiten kennengelernt. Bin in der DDR aufgewachsen und ein halbes Jahr vor Maueröffnung per Ausreiseantrag ausgereist. Beide Systeme erlebt zu haben, gestattet mir heute einen Panoramablick, über den ich sehr glücklich bin. Vielleicht magst Du mehr lesen: http://www.diespaziergaengerin.com/2014/11/eine-mauergeschichte.html. Viele Grüße, Jeannette

  • Antworten Katharina (Küchenduft und Backgenuss) 27. September 2015 at 18:50

    Das sieht unglaublich, unglaublich (!) lecker aus! Die Fotos passen auch super zum Herbst, wenn man es sich drinnen gemütlich macht. Auf der Suche nach leckeren Kürbisrezepten bin ich auf deins hier gestoßen und war spontan so begeistert, dass ich es a) unbedingt nachmachen werde und b) als Empfehlung in meinen aktuellen Saisonkalender aufgenommen habe: https://kuechenduftundbackgenuss.wordpress.com/2015/09/27/saisonkalender-september/ – Viele liebe Grüße & einen schönen Sonntag noch! Katharina

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