Island Reisen

{Amazing Iceland} Von schwarzen Stränden und blauen Eisbergen

28. September 2016

Reisebericht Island | Going South | seelenschmeichelei.de

Tag 4 auf der Insel. So viel haben wir schon erlebt. So viel liegt noch vor uns! Heute geht´s zu den Wasserfällen und Gletschern der Südküste. Der erste Stopp: Seljalandsfoss. Der gehört wahrscheinlich zu den berühmtesten Wasserfällen Islands. Und liegt praktischerweise auch noch direkt an der Ringstraße. Was leider wieder zu erhöhtem Touri-Aufkommen führt. Der Parkplatz ist gerammelt voll – und so greife ich wieder zum bewährten Mittel der Langzeitbelichtung, um überflüssige Menschen aus den Fotos zu tilgen. 

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Das Besondere am Seljalandsfoss: Du kannst hinter ihm lang gehen. Ein glitschiger Weg führt hinter diesem Vorhang aus donnerndem Wasser vorbei. Irre, das. Wer gern fotografiert, der kommt besser am späten Nachmittag, dann liegt der Seljalandsfoss in der Sonne.

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Nur ein paar Hundert Meter weiter ist es dann schon wieder viel leerer. Dabei kann man hier noch ein besonders cooles Exemplar an Wasserfall entdecken. Den Gljúfrabúi. Wer ihn sehen will, muss durch flaches Wasser in eine Felsspalte waten. Im Inneren hüllt einen dann die Gischt des Wasserfalls ein, der wie ein Wasservorhang in die Höhle stürzt. Magisch!

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Das Flugzeugwrack von Solheimasandur lassen wir links rechts liegen. Seit zu viele Idioten off road Richtung Wrack gedonnert sind, hat der Bauer, dem das Gelände gehört, den Fahrtweg zum Wrack gesperrt. Laufen ist angesagt. Dreieinhalb Kilometer hin, dreieinhalb Kilometer zurück. Dafür fehlt uns heute leider die Zeit.

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Der Unaussprechliche und der Donnernde

Erinnert ihr euch an den Eyjafjallajökull? Als der 2010 ausbrach, legte er wochenlang den halben europäischen Flugverkehr lahm. Wie sehr die Eruption das Leben der Farmer an Islands Südküste getroffen hat, das zeigt der beeindruckende Besuch des Eyjafjallajökull Visitor Centre.

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Wir fahren weiter zum Skogafoss. Rund 60 Meter stürzt hier das Gletscherwasser des Myrdalsjökull (darunter liegt der Vulkan Katla) in die Tiefe. Wir steigen die drölfzigtausend Stufen am Wasserfall empor – und genießen von oben einen atemberaubenden Blick auf gesamte Küste. Sonne inklusive. Wieder unten können wir dem lustigen rot-weiß-gepunkteten Foodtruck nicht wiederstehen – und essen bei Mia´s Country Grill die wohl besten Fish & Chips ever. Der Kabeljau ist saftig, der Teig super knusprig. Lecker!

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Sturmwarnung. (Und Idiotenwarnung)

Auf dem Weg zum Felstor von Kap Dyrhólaey schlägt dann binnen kürzester Zeit das Wetter um. Wo eben noch die Sonne schien, peitscht jetzt der Regen aufs Auto. Als wir im (völlig überteuerten, aber ansonsten sehr netten) Volcano Hotel den Kofferraum öffnen, fliegen uns glatt die Badesachen quer über den Parkplatz. Merke: Eine hydraulische Kofferraumklappe ist bei Sturm kein besonders nützliches Gadget.

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Bei Kap Dyrhólaey ist es dann so stürmisch, dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann. Der Wind peitscht senkrecht über das Felsplateau, dazu kommt jetzt auch noch ein fieser Nieselregen, der sich im Gesicht wie tausend kleine Nadelspitzen anfühlt. Der Blick auf den schwarzen Strand, die tosenden Wellen und die grün bewachsenen Klippen ist trotz des schlechten Wetters nichts weniger als atemberaubend.

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Weiter geht´s zum schwarzen Strand von Reynisfiara mit seinen Basaltsäulen, die wir Orgelpfeifen da stehen. Dass die Natur so etwas Grafisches geschaffen hat, ist irgendwie kaum vorstellbar. Kaum zu ertragen sind daher die vielen Dutzend Vollpfosten, die nichts besseres zu tun haben, als auf diesen Basaltsäulen rumzuklettern, um dann möglichst hoch oben für vollpfostige Fotos zu posieren. Wenn sich diese Unsitte ungebremst noch ein paar Jahre so fortsetzt, dann dürfte von den Basaltsäulen nicht viel übrig bleiben. Gottseidank kann auf den drei ikonischen Felsen im Wasser vor dem schwarzen Strand, den Reynisdrangar, keiner so leicht rumklettern. Der Legende nach sind das übrigens versteinerte Trolle. Ich sag euch, wenn man erstmal in Island war, ist man geneigt, diesen Troll-Geschichten durchaus Glauben zu schenken.

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Eine kulinarische Grenzerfahrung

Ziemlich durchgefroren und vom Sturm sandgestrahlt verlassen wir Reynisfiara und machen wir einen kleinen Spaziergang durch das kleine Örtchen, das oberhalb der Felsen liegt: Vík y Myrdal. Im Halldorskaffi gibt´s einen leckeren heißen Kakao. Im Ströndin kurze Zeit später dann das erste kulinarische Abenteuer: Hákarl, Harðfiskur und Brennivín. Alles klar? Also, der Reihe nach.

Hákarl, das ist – nüchtern betrachtet – eine isländische Spezialität aus dem fermentierten Fleisch des Grönlandhais. Der ist eigentlich für den Menschen gar nicht genießbar, weil er keine Nieren hat. Um den giftigen Harnstoff im Fleisch loszuwerden, wird der Hai erst wochenlang vergraben und darf dort quasi vor sich hinfaulen -fermentieren. Dabei wird Ammoniak freigesetzt. Und den riecht man dann auch. Für die Bäckerinnen unter uns: Es riecht wie Hirschhornsalz. Und ein bisschen schmeckt es auch so. Wobei ich durchaus schon Schlimmeres in meinem Leben gegessen habe. An deutschen Autobahnraststätten zum Beispiel.

Selbst hartgesottene Isländer mögen ihren Hákarl am liebsten mit ordentlich Brennivín. Das ist ein isländischer Schnapps, der übersetzt „schwarzer Tod“ heißt. Wohl bekomm´s! Der Gatte schneidet sich zu guter Letzt in die Finger beim Versuch, den Harðfiskur aka Trockenfisch mit der Hand in Stücke zu reißen. Wir kichern ein bisschen debil vor uns hin. Und ich lange dann kräftig beim Plokkfiskur zu: Dafür wird Trockenfisch mit Kartoffeln gestampft, in einer Mehlschwitze gekocht und mit Rugbrauð, diesem köstlich-süßen isländischen Roggenbrot serviert. Fotos vom Plokkfiskur gibt´s keine. #AusGründen.

Grüne Torfkirche & schwarzer Wasserfall

Am nächsten Tag hat sich der Sturm gelegt, weiter geht´s im Sonnenschein. Wir machen einen kurzen Stopp bei Nupsstaður, einem der ältesten Gehöfte Islands. Neben den typisch isländischen Torfhäusern steht dort auch eine von nur noch 6 erhaltenen Torfkirchen.

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Weiter geht´s zum Skaftafell National Park, wir wollen zum Svartifoss, dem schwarzen Wasserfall wandern. Hier nimmt man am besten den kleineren Parkplatz weiter westlich. Der ist erstens weniger überfüllt. Und zweitens spart man sich ein paar Hundert Meter langweile Wegstrecke. Ich habe wirklich nicht den Hauch einer Ahnung, warum ich heute mit langer Skiunterwäsche und dickem Rollkragenpulli das Hotel verlassen habe. Es ist nämlich wirklich warm – und auf dem halbstündigen Weg bergauf zum Wasserfall kommen wir ordentlich ins Schwitzen. Zum Glück sind – wie überall – genug Bäche und Flüsse da, um unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Wer auf Island nämlich bottled water kauft, ist selbst schuld. Eigenhändig gezapft ist nämlich leckerer und günstiger.

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Der Svartifoss dann: von überwältigender Schönheit. Naja, wie halt alles hier. Einen kleinen Rant muss ich trotzdem loswerden. Die Isländer geben sich wirklich extrem viel Mühe damit, Wege ordentlich zu markieren. Dort, wo es Absperrungen gibt, haben die durchaus einen Sinn. Entweder zum Schutz der Natur. Oder zum Schutz der Menschen. Was ich einfach gar nicht verstehe sind die Idioten, die aus Prinzip und mit nonchalanter Arroganz jegliche Absperrungen ignorieren. Nur, um noch ´nen Meter näher ans Fotomotiv ranzukommen, um noch spektakulärer fürs Selfie zu posen. Ganz im Ernst, ich könnte kotzen über ein derart respektloses Verhalten.

Feeling blue at Jökulsárlón

Ein paar Kilometer weiter dann: das nächste Highlight in dieser an Highlights nicht gerade armen Region. Die Gletscherlagune Jökulsárlón. Mächtige Eisberge in den schillerndsten Blautönen driften vor der majestätischen Kulisse des Vatnajökull durch kristallklares Wasser. Dazwischen taucht immer wieder der Kopf einer neugierigen Robbe aus dem Wasser auf. Ab und an bricht ein irgendwo mit lautem Knacken ein Stück Eis ab. Spektakulär, magisch, atemberaubend – ich weiß ja, das ist alles Adjektiv-Overkill. Aber ein berechtigter. Meine Herren, ist das schön hier. Mir fehlen die Worte.

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Wer näher ran will an die Eisberge, bucht eine Fahrt mit einem Amphibien Boot. Obwohl die Website sagt, dass man auch ohne Vorabbuchung easy einen Platz bekommt, weil die Boote alle 20 Minuten ablegen, würde ich trotzdem empfehlen, im voraus zu buchen. Haben wir nicht gemacht – und so waren alle Touren für den Tag bereits ausgebucht. Ist aber kein Drama, weil man auch von Land aus genug sieht.

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Nachdem sich die Eisberge dann ein paar Jahre in der Gletscherlagune rumgetrieben haben (<- super Wortspiel, gell?), treiben sie irgendwann über einen kurzen Zugang ins Meer. Dort dann: Das nächste Wahnsinns-Schauspiel. Kleinere Eisschollen werden vom Meer zurück an den schwarzen Strand gespült und werden zu den allerfotogensten Fotomotiven, die man sich nur vorstellen kann. Hunderte Fotos hab ich von ihnen gemacht. Überlebt haben leider nur ein paar wenige – und die sind nicht wirklich gut.

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Nach zwei Stunden nehmen wir ziemlich durchgefroren aber sehr glücklich Abschied von Jökulsárlón. Wir übernachten im sehr empfehlenswerten Seljavellir Guesthouse. Vorher geht´s aber noch zum Aufwärmen in den Hotpot. Im Licht der Abendsonne im warmen Wasser liegen und die Aussicht auf den Hoffellsjökull genießen, das ist wieder einer dieser ganz besonderen Momente, die sich für immer Einbrennen in die Seele. Egal, ob´s davon ein Foto gibt. Oder eben nicht.

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Das nahegelegene Höfn ist so etwas wie die Hummerhauptstadt Islands. Wobei die Hummer hier in Wirklichkeit gar keine Hummer sind, sondern Kaisergranate. Die sind dafür aber granatenlecker. Wir haben sie in großartiger Qualität im Pakkhús gegessen. Dazu ein Bier, das mit Gletscherwasser vom Vatnajökull gebraut wurde – heaven, so alles in allem!

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Am nächsten Tag verlassen wir Höfn und fahren in die Ostfjorde. Aber das ist eine andere Geschichte. Und soll ein andermal erzählt werden.

Habt es schön!

Conny

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6 Kommentare

  • Antworten Tanja Foodistas 28. September 2016 at 10:09

    Liebste Conny,
    ich war mir nicht sicher ob ich überhaupt in diesen Beitrag von dir klicken sollte, denn schon bei den letzten beiden Posts über Island plagte mich das Fernweh ungemein. Auslöser waren vermutlich die wunderbaren, wie gemalt wirkenden Bilder, die du fleißig unentwegt geschossen haben musst.
    Ich bin so begeistert wie einen die Natur mit ihren Farben in den Bann ziehen kann und sagenhaft wie du diese Schönheit in Bilder eingefangen hast.
    Ich werde mich also auch zukünftig überwinden und die Beiträge anklicken 😉
    Ganz ganz liebe Grüße
    Tanja

    • Antworten Seelenschmeichelei 28. September 2016 at 12:26

      Meine Liebe, ich freu mich SOOOOO sehr, dass du die Bilder magst. Außerdem… warum soll ich die Einzige sein, die ständig das Fernweh plagt? :hüstel: Ich werd also mein Bestes tun, dich weiterhin anzustecken. 🙂
      Liebe Grüße
      Conny

  • Antworten Melli 29. September 2016 at 19:54

    Wunderschöne Fotos. 🙂
    Ich bin selbst gerade erst in Island gewesen und war auch einfach überwältigt von der schönen Landschaft. Wann wart ihr denn da?
    Das viele Leute Absperrungen ignorieren für ein gutes Foto habe ich leider auch mehrfach erlebt. Schade das manche so wenig Rücksicht auf die Natur nehmen.
    Die Ziele die du erwähnst haben wir eigentlich auch alle besucht. Nur das Kap und den Strand dort haben wir leider nicht mehr geschafft. So bleibt aber ein weiterer Grund nochmal hinzufahren 🙂
    Liebe Grüße

    • Antworten Seelenschmeichelei 1. Oktober 2016 at 9:36

      Liebe Melli,
      wir waren Ende August/Anfang September da. Beim nächsten Mal würd ich gern in die Westfjorde, ins Hochland zur Askja und Herdubreid, zum Fjaðrárgljúfur Canyon, ganz hoch in den Nordosten – und noch sooo viel mehr sehen.
      Schönes Wochenende!
      Conny

  • Antworten marco 3. Januar 2017 at 10:39

    Liebe Conny
    Ich bin zufälligerweise bei meinen Internet-Recherchen auf deinen tollen Blog gestossen! Er gefällt mir ganz besonders gut. Fotos und auch die Rezepte sind richtig inspirierend. Ich werde hier in Zukunft öfters vorbei schauen 😉
    Noch besser gefällt mir, dass du einen so umfangreichen Reisebericht über Island hier publiziert hast. Da fahre ich im März hin und habe nun schon diversteste Informationen hier rausgesucht! Mangels Zeit werden wir uns vorwiegend auf den Westen und Süden konzentrieren. Insbesondere im Süden wollte ich fragen, ob du allenfalls noch Tipps für Unterkünfte bereit hast? Das Seljavellis Guesthouse schaut schon mal sehr hübsch aus 🙂 Wir würden diesen Abschnitt voraussichtlich in zwei Tagen bereisen und planen Übernachtungen in der Nähe von Skaftafell und in Höfn oder Umgebung.

    Falls du hier noch einen Tipp hast, sehr gerne. Ich freue mich von dir zu hören. Liebe Grüsse, Marco

    • Antworten Seelenschmeichelei 3. Januar 2017 at 12:03

      Lieber Marco,

      vielen Dank, das freut mich sehr!

      Und: Ich bin glatt ein bisschen neidisch – ich würd nur zu gern wieder nach Island.

      Das Seljavellir Guesthouse war wirklich super, von da aus fährt man auch nicht lang nach Höfn. Auch ganz nett war in der Nähe von Vik y Myrdal das Volcano Hotel. Das Grand Gardakot Guesthouse hatte ich mir da in der Nähe auch noch gemerkt, das war zu unserer Zeit aber schon voll. Würd ich wahrscheinlich beim nächsten Trip eher buchen, weil das Volcano imho total überteuert war.
      Ansonsten hatten wir noch in der Nähe von Selfoss ein Air BnB Cottage gemietet, das war auch total super. Ich weiß aber nicht, wie gut man das im Winter erreicht, da es mitten im Nirgendwo liegt. Skaftafell waren wir nur „auf Durchreise“, da kann ich leider kein Hotel aus eigener Erfahrung empfehlen.
      Meld dich, wenn du noch Fragen hast!
      Viele Grüße
      Conny

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