Island Reisen

{Amazing Iceland} Hochlandabenteuer!

21. September 2016

Landmannalaugar und Gjain | seelenschmeichelei.de

Tag 3 unserer Island-Reise führt uns in die so unwirtliche wie überwältigend schöne Ödnis des Hochlands. Dort sind wir endlich allein. Mit uns. Und mit dieser atemberaubenden Natur. Im Hochland gibt es wenig Vegetation, noch weniger Leben und schon gar keine menschlichen Siedlungen. Der Lärm der Zivilisation ist ganz weit weg. Hier, wohin früher die Gesetzlosen gejagt wurden, stehen wir staunend vor dem, was die rauen Kräfte der Erde geschaffen haben: öde Felswüsten, schroffe Gipfel, endlose Lavafelder und eisbedeckte Krater.

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Es gibt nur wenige Wochen im Jahr, in denen die Straßen ins isländische Hochland überhaupt befahrbar sind. Bis in den Juni hinein können die Pisten – je nach Wetterlage – gesperrt sein. Und es kann durchaus sein, dass erste Schneefälle die Straßen schon im September wieder unpassierbar machen. Welche Pisten gefahrlos befahrbar sind, das checkt man am besten auf road.is, bevor man sich ins Hochland begibt. Pisten, die ein F in der Kennzeichnung haben, sind ausschließlich Allradfahrzeugen vorbehalten.

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Wer einen Mietwagen bucht, checkt besser vorher, ob er mit ihm auch ins Hochland darf. Hochland bedeutet: Keine befestigten Straßen, teilweise tiefe Schlaglöcher – und unüberbrückte Flüsse, die man furten muss. Wer sich das nicht zutraut oder keinen Geländewagen mieten will, der kann auch per Bus ins Hochland fahren, zum Beispiel ab Hella oder Selfoss mit Trex.is. Übrigens: Offroad Fahren, also abseits der markierten Pisten, ist in Island verboten.

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Gjáin: Wo sich Elfen und Trolle Gute Nacht sagen

Die Wolken hängen tief am Himmel, als wir von der komfortabel asphaltierten Straße erstmals auf eine ruppige Hochlandpiste abbiegen. Als wir vor einem geschlossenen Schafsgatter zum Halten kommen, blicke ich erstmal skeptisch auf die Karte – kommt hier wirklich noch was? Und was da noch kommt! Erstmal eine kleine Parkbucht. Kein anderes Auto weit und breit.

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Inmitten der tristen grauen Einöde tut sich dann vor unseren Augen ein malerisches grünes Tal auf: Gjáin. Wo man auch hinsieht, plätschern Flüsse und Wasserfälle. Ein schmaler Weg führt nach unten und es würde mich nicht wundern, wenn wir gleich auf ein paar Trolle und Elfen träfen. Oder auf Arya Stark und the Hound. Die haben nämlich in der vierten Staffel von Game of Thrones genau hier in Gjáin ihre Schwertübungen absolviert.

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Unter den vielen magischen Orten auf Island hat mich Gjáin ganz besonders in seinen Bann gezogen. Stundenlang könnte ich auf den verschlungenen Pfaden durch das Tal laufen, Wasserfälle, Grotten und blühenden Engelwurz bestaunen. Doch wir wollen weiter.

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Die bunten Berge von Landmannalaugar

Auf dem Weg dorthin dann das zweite kleine Abenteuer. Wer ganz bis zu den heißen Bächen von Landmannalaugar (übersetzt: die heißen Quellen der Landmänner) will, der muss zwei kleinere Flüsse furten. Wer das nicht möchte, der nimmt die nordwestliche Zufahrt über die F208 und lässt sein Auto einfach am Parkplatz vor der ersten Furt stehen. Wir entscheiden uns für das Abenteuer – mit ganz viel Gefühl lenkt der beste Mann von allen unseren Toyota RAV4 durch die beiden Flüsse. Uiuiuiui, aufregend. (Lesetipp für Abenteurer: Worauf du beim Flüsse furten achten solltest)

Am Zeltplatz dann: Basecamp Atmosphäre. Dutzende bunte Trekking Zelte, Geröllboden, Picknickplätze, eine Touristeninformation, ein Waschhaus. Hier startet auch der Laugavegur, die berühmte mehrtägige Trekking Route von Landmannalaugar nach Thorsmörk. Wir wandern erst einmal nur durch die Wollgraswiesen zu den heißen Quellen, die Landmannalaugar den Namen gaben.

Umgeben sind sie von den bunt gefärbten Bergen aus Rhyolith, einer kieselsäurehaltigen Lava. Sie kühlte sehr langsam ab und verlieh den Bergen so ihre überraschende Färbung. Rötlich, gelb, grün und blau leuchten sie, die bunten Berge von Landmannalaugar.

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Am blaugrünen Bláhnjúkur vorbei wandern wir durch Graenagil, die grüne Schlucht. Obwohl hier nicht wirklich etwas Grünes wächst – der Name passt. Über einen steilen, unwegsamen Pfad (der Balancelegastheniker wie mich an ihre Grenzen bringt) nähern wir uns der Brennisteinsalda. Ein Vulkan, den Rhyolith, Schwefelablagerungen, Eisen- und Kalkausfällungen bunt gefärbt haben. An ihrem Fuß dampft ein Solfatar vor sich hin. Es riecht nach Pups Schwefelwasserstoff. Ein breiter Weg führt uns durch das Lavafeld Laugahraun mit seinem schwarzen Obsidiangestein wieder Richtung Landmannalaugar.

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Schweren Herzens – und mit schweren Beinen – verlassen wir diesen eindrucksvollen Ort. Nachdem sich die Sonne den ganzen Tag nicht hat blicken lassen, kommt sie jetzt am Abend doch noch heraus. Wir sind ziemlich hungrig und stoppen an einem Restaurant im Schatten der gefürchteten Hekla. Sie gehört zu den drei aktivsten Vulkanen Islands, im Mittelalter vermutete man dort das Tor zur Hölle. Weil die Hekla seit Jahren überfällig ist (sie ist seit 1970 so etwa alle 10 Jahre ausgebrochen, der letzte Ausbruch war jedoch im Jahr 2000), wird von ihrer Besteigung aktuell abgeraten.

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Im Restaurant Leirubakki essen wir Kabeljau, Lamm und Marriage Bliss, einen superleckeren warmen Kuchen mit Haferflocken und Rhabarber, bevor wir uns im Licht der untergehenden Sonne wieder auf den Weg in unser kleines Cottage machen. Nicht, ohne noch vorher noch ordentlich Pferde-Content zu produzieren. Ich mein, wer braucht schon Katzen-Content, wenn er Islandpferde-Content im Sonnenuntergang haben kann?

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Dieses Licht! Gibt´s irgendwo auf der Welt ein schöneres Licht?

Sjáumst. (<- was übrigens „Tschüß“ auf isländisch heißt)

Conny

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4 Kommentare

  • Antworten Susanne 21. September 2016 at 11:26

    Hach – Toll! Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht! <3

  • Antworten Tatjana 25. September 2016 at 15:32

    So ein schöner Bericht und noch tollere Bilder.. Ich werde ihn mir heute abend in Ruhe durchlesen, wenn Kind im Bett 😉
    Will da unbedingt auch mal hin. Heißt also sparen, sparen, sparen.
    Und auf deinen nächsten Bericht freuen 🙂
    Liebe Grüße
    Tatjana

  • Antworten Kirsten 31. Oktober 2016 at 13:51

    So schön!!! Seid ihr alleine vom Basecamp aus losgewandert oder habt ihr euch einer Gruppe angeschlossen? Und wie viel Zeit sollte man für die Wanderung einplanen? Ich bin gerade an den Reisevorbereitungen 🙂
    Viele Grüße Kirsten

    • Antworten Seelenschmeichelei 31. Oktober 2016 at 17:49

      Liebe Kirsten,

      wir haben von Landmannalaugar aus nur eine „kleine“ Wanderung gemacht, so etwa 3 Stunden lang. Die kann man gut auch als Wanderniete wie ich es bin bewältigen. Nur gute Klamotten, Wanderschuhe und Wasser sollte man schon dabei haben, denn das Wetter kann auch mal ganz fix umschlagen, es kann kalt werden, stürmen und regnen – auch im Sommer. Wenn du den ganzen, 55km langen Laugarvegur von Landmannalaugar bis Thorsmörk laufen willst, dann ist das eine eine Tour von etwa 4 Tagen. Die kann man sowohl geführt machen (was ich empfehlen würde, wenn man keine Trekkingerfahrung hat) oder individuell. Dann sollte man aber schon Bergerfahrung haben.

      Viele Grüße
      Conny

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