Island Reisen

{Amazing Iceland} Golden Circle & Schnorcheln in der Silfra Spalte

17. September 2016

Reisebericht Island | seelenschmeichelei.de

Das Fernsehen ist schuld. Genauer gesagt: Die ZDF Weihnachtsserie. „Nonni und Manni“- die Geschichte zweier Brüder im Island des 19. Jahrhunderts. Es war 1988. Ich war gerade mal Dreizehn. Und ziemlich verliebt. Ein bisschen in Nonni. Noch viel mehr aber in Island. In den nächsten Jahren hab ich dann die Edda gelesen, Bildbände über Island angehäuft – und trotzdem andere Ecken der Welt bereist. Island blieb ein Traum. Gerade mal 28 Jahre später wird der endlich wahr. Manchmal kann ich´s kaum glauben. Nach Monaten hysterischer ausführlichster Planung landen wir mitten in der Nacht in Keflavík, dem internationalen Flughafen südlich von Reykjavik.

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Einmal rund rum gegen die Uhr

Zwei Wochen Roadtrip liegen vor uns. Über 3.000 km werden wir fahren. Große Teile auf dem Hringvegur, der fast durchgängig asphaltierten Ringstraße mit der Nummer 1, die Island umgibt. Dazu: Abstecher in die Ostfjorde, auf die westliche Halbinsel Snaefellsness, in den obersten Norden nach Siglufjördur – und in die einsamen Weiten des Hochlands. Wer dort hin will, der braucht mindestens ein Auto mit Allradantrieb. Besser gleich einen Geländewagen. Denn die Hochlandpisten, die man an der Kennzeichnung „F“ erkennt, dürfen nur mit 4WD befahren werden. Und auch auf manch „einfachen“ Gravel Roads waren wir im Nachhinein sehr glücklich über höhere Bodenfreiheit und Allradantrieb.

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Wer wie wir gegen Mitternacht in Keflavík landet, der bucht sich für den Rest der Nacht am besten ein Zimmer in der näheren Umgebung. Wir sind etwa 20km bis zum Geo Hotel Grindavík gefahren. Gute Entscheidung. Das Zimmer zwar winzig – das Hotel aber ziemlich neu, perfekt sauber und ruhig. Wer noch nach Reykjavik fahren will, der kann auch den Bus-Shuttle „Flybus“ nehmen.

Ein Mietwagen ist in meinen Augen die perfekte Methode, um Island zu erkunden. Die vielen Fahrradfahrer, Motorradfahrer und Tramper, die uns unterwegs begegnet sind, sehen das wahrscheinlich etwas anders.

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Tag 1: Good Morning, Iceland

Nach ein paar Stunden Schlaf dann: der erste Morgen Mittag in Island. Wir fahren durch die moosbewachsenen Lavafelder der Halbinsel Reykjanes. Der erste Eindruck: Wow. Der zweite, dritte und drölfzigste übrigens auch. Hab ich ne Träne im Auge? Näh, ich doch nicht. Ist bestimmt nur Fahrtwind.

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Es geht in Richtung Golden Circle. Zum Gullfoss, dem goldenen Wasserfall. Zum Krater Kerid, der eigentlich gar kein echter Explosionskrater, sondern ein Pseudokrater ist, also nie Lava und Asche gespuckt hat.

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Ins Hochtemperaturgebiet Haukadalur mit seinen heißen Quellen und the Geysir. Quasi der Mutter aller Geysire. Dieser große Geysir hat aber schon seit einigen Jahren keine nur noch höchstselten Lust auszubrechen. Sein Kumpel Strokkur tut das dafür mit ziemlicher Regelmäßigkeit etwa alle 8 Minuten. Bis zu 25 Meter hoch ist die dampfende Wasserfontäne. Man tut daher ziemlich gut daran, sich nicht in den Wind zu stellen. Ansonsten kann man schonmal Wechselklamotten rausholen. Wer das Spektakel einigermaßen in Ruhe beobachten will, der kommt entweder am frühen Morgen. Oder am Abend. Dann ist nicht nur das Licht besser, dann sind auch weniger Menschen da.

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Ich kann´s immer noch nicht glauben, dass wir wirklich da sind. In Island. Im Land der Elfen und Trolle. Leider aber auch im Land der Selfiestickschwinger und Drohnenbruchpiloten. Holy moly, was ist hier an den Highlights im Süden für ein Touristen-Aufkommen! Als wir mit einer Tonne schnatternder Bustouristen am Gulfoss stehen wünsche ich mir sehnlichst, ich wäre schon vor 20 Jahren nach Island gekommen.

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Das Schöne an Island ist aber: Du findest halt trotzdem immernoch Orte off the beaten path. Naja, so halb-off zumindest. Der Bruarfoss ist so ein Ort. Nur einmal verfahren und eine Viertelstunde durch zähen Matsch gestapft – und wir stehen an einem wunderschönen Wasserfall, dessen Kaskaden in milchiges Blau getaucht sind. Alleine. Es ist nicht der größte, nicht der donnerndste und nicht der breiteste Wasserfall. Für mich aber trotzdem einer der schönsten.

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Die Sonne steht tief am Himmel, als wir uns auf den Weg zu unserem Airbnb Cottage in der Nähe von Hella machen. Eine zauberhafte kleine Hütte inmitten einer Pferdefarm. Idyllischer geht´s nicht. Hach. Ist das etwa…? Näh… siehe oben… Fahrtwind und so.

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Tag 2: Into the Blue

Urlaub erkennt man bei uns ja immer daran, dass wir deutlich früher aufstehen als sonst. So auch am nächsten Morgen. Der Wecker klingelt um Sechs. Mit Ski-Unterwäsche, je zwei paar dicken Wollsocken, Maske und Schnorchel ausgestattet fahren wir los Richtung Thingvallavatn, dem größten See Islands. Er liegt im Thingvellir National Park und dort findet man gleich zwei UNESCO World Heritage Sites. Zum einen das Althing. Der Ort, wo im Jahr 930 das erste isländische Parlament, bestehend aus den freien Männern des Landes, zusammen kam. Hier wurden Streitereien geschlichtet, Gesetze beschlossen – die Geburtsstunde der Republik Island.

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Außerdem verläuft durch den Thingvellir National Park ein Teil des mittelatlantischen Rückens. Der ist mehr als 20.000 km lang, verläuft zumeist ziemlich tief in den Ozeanen – und markiert die Grenze zwischen der euroasiatischen und der amerikanischen Kontinentalplatte. Die Platten driften jedes Jahr etwa 2,5 cm weiter auseinander. Island ist einer der wenigen Orte der Welt, so man diese Driftspalte von Land aus sehen kann. Und man kann sie nicht nur sehen. Man kann sogar in ihr tauchen: In der Silfra Spalte. Links Europa. Rechts Amerika. Hätten wir längere Arme, könnten gleichzeitig wir beide Kontinente anfassen (die Taucher können das übrigens, weil die Spalte sich in der Tiefe verjüngt). Irre, das alles.

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Die Silfra Spalte wird durch das Schmelzwasser des Langjökull (Jökull = Gletscher) gespeist. Weil das Wasser zwischen 30 bis 100 Jahren unterwegs ist, um die 50 km Strecke durch poröses Lavagestein zu durchfließen, ist es unfassbar klar – und die Sichtweite in der Silfra Spalte phänomenal. Das gilt auch für die Wassertemperatur. Etwa 3°C kaltes Wasser erwarten uns. Dank sexy Trockentauchanzug werden aber nur Hände und Gesicht nass – der Rest des Körpers bleibt mollig einigermaßen warm und trocken. Wir haben unseren Schnorchelausflug über dive.is gebucht – eine absolut empfehlenswerte Wahl.

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Die Sonne scheint vom stahlblauen Himmel und zaubert glitzernde Reflexe in das kristallklare Wasser, als wir uns langsam durch die Silfra Richtung Thingvallavatn treiben lassen. Es ist ein magisches Spektakel, das sich uns da kurz unter der Wasseroberfläche bietet. Diese Farben! Die grünen Algen, die auf den Basaltsteinen wachsen, werden Trollhaar genannt. Das trifft´s. Fische, die gibt´s in der Silfra Spalte übrigens so gut wie keine. Dafür einen riesigen Becher heißen Kakao zum Aufwärmen, nachdem wir das Wasser verlassen haben.

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Asphaltierte Wege führen kreuz und quer durch Thingvellir, so dass man dort eher spazieren geht als wandert. Einsam ist es auch nicht gerade – aber warum sollten wir ein Monopol darauf haben, diese wunderschöne Landschaft zu erkunden? Wir laufen hoch zum Öxarafoss, am Gesetzesberg Lögberg vorbei durch die Allmännerschlucht und essen dann ein Eis am Aussichtspunkt, von dem man einen atemberaubenden Blick auf Busladungen voller Chinesen über den Thingvallavatn, den Thingvellir-See hat. Ein Eis? Joa. Es ist ziemlich warm für isländische Verhältnisse. In der Sonne hat´s bestimmt 20°. Hochsommer halt.

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Einen dramatischen Sonnenuntergang und einen schnellen Burger an der Tankstelle später fallen wir todmüde ins Bett. Island, ich lieb dich jetzt schon.

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Morgen geht´s ins Hochland. Zu den bunten Bergen von Landmannalaugar. Kommt ihr mit?

Sjáumst!

Conny

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21 Kommentare

  • Antworten Melli 17. September 2016 at 19:57

    Hi Conny,
    wow. Die Bilder sind der Hammer, v.a. die Unterwasseraufnahmen. Nächstes Jahr möchte ich auch nach Island, deine Bilder haben mich nur darin bestärkt.
    LG Melli

    • Antworten Seelenschmeichelei 18. September 2016 at 12:18

      Liebe Melli, nix wie hin da, du wirst es lieben.

    • Antworten Joma 2. Oktober 2016 at 17:00

      Hallo Conny,
      klasse Fotos. Du hast uns perfekt abgeholt. Das Islandfieber ist ausgebrochen. Jetzt versuchen wir es mit der Planung, können uns aber nicht entscheiden ob eigenes Auto oder doch Flug mit Mietwagen.

  • Antworten Judith 17. September 2016 at 23:26

    Wunderbar Conny, danke für den Bericht und die tollen Bilder!! Bei Nonni und Manni musste ich doch sehr schmunzeln…

    • Antworten Seelenschmeichelei 18. September 2016 at 12:20

      Hihi, ich fand neulich eine Folge auf Youtube und musst auch SEHR schmunzeln über mich.

  • Antworten Julia 18. September 2016 at 10:18

    Deine Bilder sind der Wahnsinn! Jetzt will ich noch schneller nach Island! Das steht eh schon sehr weit oben auf der Reise-Bucket-List :-))

    Liebe Grüße
    Julia

    • Antworten Seelenschmeichelei 18. September 2016 at 12:21

      Dankeschön! Es lohnt sich wirklich, nicht 20 Jahre damit zu warten. 😀

  • Antworten Catrin 18. September 2016 at 22:45

    Hi Conny,
    Großartig, ich freue mich auf den nächsten Teil. Tolle Fotos, schöner Text. ?
    Liebe Grüße
    Catrin

    • Antworten Seelenschmeichelei 19. September 2016 at 22:50

      Dankeschön, liebe Catrin!

  • Antworten Mel 19. September 2016 at 15:29

    Bin dabei 🙂 Wie viele Teile gibt es? ich trage mir das dann schon mal in den Kalender ein . <3

    • Antworten Seelenschmeichelei 19. September 2016 at 22:51

      Tollo! Mittwoch geht´s weiter. Insgesamt werden das bestimmt 6 Teile – ich kann mich so schwer kurz fassen. Gegen Ende wird´s dann aber weniger bilderlastig. #AusGründen

  • Antworten Susanne 19. September 2016 at 16:45

    Einfach nur großartig! Ich bin beim nächsten Bericht definitiv wieder dabei!

    • Antworten Seelenschmeichelei 19. September 2016 at 22:51

      Sehr cool, ich freu mich!

  • Antworten Marie 3. Oktober 2016 at 11:18

    Hallo Conny, wo ich die ersten Sätze deines Berichtes gelesen hatte, hatte ich Tränen in den Augen. Denn GENAUSO ging es mir auch. Nur träumte ich 27 Jahre von einer Reise nach Island. Bei mir war auch das Fernseh schuld und natürlich Nonni und Manni. Seit dem nervte ich meine Familie immer und immer wieder mit meinen Träumen einmal nach Island zu fliegen und das wunderbare Land zu erkunden. Somit die letzten 17 Jahre auch meinen Mann der mir letztes Jahr das grüne Licht gegeben hat und meinte ich sollte doch jetzt unbedingt nach Island reisen, denn er kann es nicht mehr hören…gesagt getan…hab meine große Schwester angerufen, gefragt ob sie mitfliegt und tatsächlich sie hat sofort JA gesagt und tatsächlich sind wir am 13.Juni letzten Jahres in Island gelandet. Ich konnte es auch kaum glauben. Aber irgendwie lässt mich dieses wunderbare Land nicht los und liege meinem Mann schon wieder in den Ohren…naja vielleicht klappt’s ja zu unserer Silberhochzeit…;-)

    • Antworten Seelenschmeichelei 5. Oktober 2016 at 17:50

      Dieses Land lässt einen echt nicht mehr los, liebe Marie. Ich drück die Daumen, dass dein Mann mitkommt beim nächsten Mal. Ansonsten – muss er eben zuhause bleiben. 🙂

  • Antworten Isabel 27. Oktober 2016 at 15:27

    Hallo Conny,

    tolle Bilder und sehr interessante Motivauswahl!
    Wann genau warst du denn auf/in Island? Und mit welcher Kamera fotografierst du denn?
    Werd heut Abend mal genauer über deinen Blog schlawinern…

    VG
    Isabel

    • Antworten Seelenschmeichelei 28. Oktober 2016 at 9:41

      Liebe Isabel,
      wir waren Ende August in Island, also zur Hochsaison.
      Ich hab ne Canon 70d, zusätzlich hatten wir noch eine GoPro am Start.
      Viel Spaß beim Schlawinern!
      Conny

  • Antworten Daniela 28. Oktober 2016 at 15:17

    Ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen. Ich liebe die Mischung Travel & Food sehr. Großartige Inspiration quelle. Vielen lieben Dank, dass Du das mit uns teilst ❤👏

    • Antworten Seelenschmeichelei 29. Oktober 2016 at 9:31

      Vielen Dank, liebe Daniela! Ja, was gibt´s Besseres als Reisen und Essen? Hihi.

  • Antworten Ela 16. Dezember 2016 at 21:05

    Tolle Berichte über Island und superschöne Fotos! Auch wir werden so wie es aussieht nächstes Jahr im September nach Island reisen – sagen wir mal so, es steht zu 90% 😉

    Die Bilder vom Boulders Beach sind echt Wahnsinn!

    • Antworten Seelenschmeichelei 18. Dezember 2016 at 7:27

      Toll, ich beneide euch ein bisschen. Ich möcht nämlich auch unbedingt wieder hin. Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Fangt früh mit der Planung an – Unterkünfte sind schnell ausgebucht. Und unser Mietwagen wurde im Lauf der Zeit fast doppelt so teuer wie zum Buchungszeitraum.

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