Reisen Thailand

A culinary trip to Thailand. Part III. Weißer Tempel, goldenes Dreieck, grüne Teeplantagen.

5. März 2014

Mit dem öffentlichen Reisebus fahren wir von Chiang Mai aus noch weiter in den Norden. Wobei dieser öffentliche Bus so gar nicht mit dem vergleichbar ist, was wir hier kennen. Weniger komfortabel, denkt ihr jetzt? Ja, das hab ich auch gedacht. Stimmt aber gar nicht. Es gibt riesige zum-drin-Versinken-Sitze, Wasser und Snacks für jeden. Und hätte man den Bus nicht auf lausige 16 Grad herunter gekühlt, wär die Fahrt ein richtiges Vergnügen gewesen. Mit dem Songthaew, einer Art Pick Up Sammeltaxi holpern wir die restlichen 40km in unser Hotel, das mitten im Nirgendwo in den Bergen liegt, umgeben von Reisterrassen und Dschungel. Auch hier haben wir wieder eine guided Tour gebucht, wieder nur für uns Zwei. Ein wunderbarer Luxus und ein sehr bezahlbarer noch dazu. Die Landschaft ist wunderschön mit ihren Reisfeldern, Kokospalmen und kleinen Dörfern, die sich an die grünen Berghänge schmiegen.

Und auch Tee Plantagen gibt es reichlich. Bekannt ist die Gegend für ihren Oolong, einen halbfermentierten Tee mit ganz zartem Geschmack. Für eine Tee Probe begeben wir uns dann mal kurz nach China. Naja, nicht so ganz natürlich. Aber Mae Salong, das in bester Lage auf einem Bergkamm thront, ist ein original chinesisches Dorf – mitten in Thailands Norden. Hier heißt es dann auch „Ni hao“ statt „Sawasdee Kha“. Auf dem örtlichen Markt probieren wir Gemüse, das nach Tomaten aussieht aber sehr sauer und tanninhaltig schmeckt und kaufen wir eine Flasche Honig aus den Bergen. Der ist komplett naturbelassen und schmeckt blumig-pfeffrig-aufregend. Die angebotene Flasche Mekhong Whiskey mit ihrem äußerst appetitlichen Tausendfüßler innen drin lehnen wir dafür dankend ab.

Weil mich das Hilltribe Erlebnis in Chiang Mai nachhaltig irritiert hat, möchte ich unbedingt nach Ban Lorcha, ein Dorf des Akha Bergvolks, wo wirklich gelebt und nicht fürs Fotoalbum der Touristen gepost wird. Ein Akha Mädchen führt uns durchs Dorf. Bei den Akha gibt´s übrigens nicht nur ein Eingang für Menschen, sondern auch ein Eingangstor für die Geister. Durchaus beeindruckend dekoriert, gelle?

So spröde die Stadt Chiang Rai auch wirkt – sie hat ein echtes Highlight zu bieten. Wat Rong Khun. Den weißen Tempel. Kein jahrhundertealter Wat. Sondern ein zeitgenössisches Bauwerk von einem Mann, der in Thailand so etwas wie der Robbie Williams der Architektur zu sein scheint. Chalermchai Kositpipat heißt er.

Komplett irre ist das Innere des Wats. Fotografieren ist hier verboten, also haltet mich bitte nicht für verrückt, wenn ich sage, dass man hier Michael Jackson, die Minions, Osama Bin Laden, Spiderman und George W. Bush in schönster Eintracht vereint sieht. Feinsäuberlich und quietschbunt auf die Wände gepinselt. Die Dämonen unserer Zeit quasi.

Am White Temple wird übrigens noch weiter gebaut. Erst 2070 soll die komplette Anlage fertig gestellt sein. Der Herr Architekt wird dann längst das Zeitliche gesegnet haben. Aber sein Sohn weiß Bescheid. Und übernimmt dann beizeiten.

Ihm haftet bis heute der Ruf des Verbotenen, des Gefährlichen an: Das Goldene Dreieck. Das Dreiländereck Thailand / Laos / Burma, wo Mekong und Ruak zusammen fließen, war einst das größte Opium Anbaugebiet der Welt. Und damit die Keimzelle entsetzlichen Elends. Hier wurde seit Jahrhunderten der Mohn angebaut, aus dem Opium – und in der Folge auch Heroin – gewonnen wird. Heute ist die Gegend befriedet und zumindest auf der thailändischen Seite wird kein Schlafmohn mehr angebaut. Statt Opium vernebeln kilometerlange Souvenierstände das geneigte Besucher-Hirn. Und die einzige Sucht, der man hier noch frönen kann, ist die Spielsucht. Boote karren vornehmlich chinesische und thailändische Touristen zu Hunderten zu den Casinos auf der laotischen Seite. Denn in Thailand ist das Glücksspiel verboten.

Wer mehr über den Opium Anbau wissen will, besucht am besten eines der beiden Opium Museen. Eine Legende der Akha besagt, dass es einst eine wunderschöne junge Frau gab, in die sich sieben Männer gleichzeitig verliebten. Weil sie alle mochte, willigte sie ein, mit jedem von ihnen Liebe zu machen, obwohl sie wusste, dass das ihr Tod sein würde. Kurze Zeit später starb die junge Frau – und auf ihrem Grab wuchs eine Blume heran, von der sie noch auf dem Totenbett gesagt hatte, dass sie Glück und Unglück gleichermaßen bringen würde. Wie die Liebe selbst. Diese Blume war eine Mohnblume.

Um aus den Blumen des Schlafmohns Opium zu machen, wartete man, bis sie verblüht waren. Anschließend wurde die Samenkapsel mit einem scharfen Messer angeritzt. Der austretende zähflüssige Saft oxidierte an der Luft zu einer braun-schwarzen, klebrigen Masse. Roh-Opium. Für die Junkies des 19. Jahrhunderts stand bereits eine ganze Batterie an Accessoires bereit. Opium-Pfeifen, in denen das durch Erhitzen, Kneten und Rösten entstandene Rauch-Opium geraucht wurde. Opium-Matten aus Bambus, die dazu beitrugen, den liegenden Körper des Opium-Süchtigen kühl zu halten. Opium-Kissen, die den Kopf stützten und in der typischen Seitenlage hielten.

Nach so viel Futter für Augen und Hirn ist uns zum Ende des Tages wieder nach Futter für den Magen. Weil in Thailand der nächste Markt ja nie weit ist, decken wir uns dort mit allerlei Köstlichkeiten für ein Picknick auf dem Balkon unserer Hütte ein: Gegrillter Catfish, frisch aus dem Mekong. Ein höllisch scharfer Salat aus Hähnchen, Zitronengras, Kaffir-Limettenblättern, ordentlich Knoblauch und – wie könnte es anders sein – haufenweise Chilli. Und in 5-Gewürze-Pulver-Sud geschmortes Schweinefleisch. Zum Nachtisch gibt´s die süßeste Ananas aller Zeiten und Rose Apples (<- liebe Frucht-Importeure, warum importiert ihr zur Abwechslung nicht mal Rose Apples? Die sind äußerst hübsch und mindestens so lecker!). Dazu ein eiskaltes Singha. Ein Fest! Und so genießen wir noch einmal die himmlische Ruhe und Einsamkeit von Thailands Norden bevor wir am nächsten Tag in meinen liebsten City-Moloch aufbrechen. Nach Bangkok.









Credits:


Katiliya Mountain Resort: katiliya.com
Weißer Tempel: watrongkhun.org
Opium Museum: maefahluang.org

Sawasdee Kha!

Conny

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2 Kommentare

  • Antworten Magicwoman 5. März 2014 at 11:58

    Vielen Dank für diese traumhaften Bilder, ich habe sie sehr genossen.

    Liebe Grüße
    Andrea

  • Antworten Raspberrysue 6. März 2014 at 8:03

    Rose Apples sind soooo gut! Ich vermisse die auch…wenigstens gibt es manchmal in D schon Mangostanen zu kaufen. Lg Carina

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