Reisen Thailand

A culinary trip to Thailand. Part II: In den Bergen rund um Chiang Mai.

3. März 2014

Raus aus der Stadt – rein in die Berge. Die Gegend nördlich und westlich von Chiang Mai ist absolut sehenswert. Von der Illusion, dort nur ein paar vereinzelte Traveller zu treffen, kann man sich aber gepflegt verabschieden. Zumindest dieser Teil Nord-Thailands ist touristisch überaus gut erschlossen. Vorsichtig formuliert. Man könnte auch sagen: Hier hat der Massentourismus längst Einzug gehalten. Am einfachsten erkundet man das Umland, indem man sich einen Guide inklusive Auto bucht.

Am frühen Morgen geht es ins Mae Sa Valley, eine gute Stunde Fahrzeit nördlich von Chiang Mai. Der Reiseführer bezeichnet es als „malerisch“ – ich würde es eher als Träumchen für den geneigten Aktiv-Urlauber bezeichnen. Denn der findet dort alles, aber auch wirklich alles, was sein Herz begehrt. Vom Bungee Jump und Canopy über obskure Schlangen-, Tiger- und Orchideen-Farmen bis hin zu Affen- und Elefanten-Camps. 

Letzteres haben wir besucht. Die indischen Elefanten (die übrigens ganz anders aussehen als ihre afrikanischen Verwandten. Kleinere Ohren, zwei Höcker aufm Kopp, runder Rücken, mehr Zehen) waren früher klassische Arbeitstiere in den Bergen. Seitdem das verboten ist, haben sie in Camps eine neue Heimat (und eine neue Beschäftigung) gefunden. Jeder Elefant hat einen Mahoud, der ihn von klein auf betreut. Für ein paar Baht kann man Bananen und Zuckerrohr kaufen und die Elefanten damit füttern. Und gerade das Zuckerrohr findet bei den Dickhäutern reißenden Absatz. Geht man nämlich mit einem Bündel davon in Rüssel-Reichweite an den Elefanten vorbei, wird es einem einfach geklaut. Ein großes und überhaus schmodderiges Vergügen ist es auch, die Elefanten zu streicheln. Da hat man nämlich ganz schnell einen Rüssel an der Wange kleben und ein, zwei Pfund Elefantenrüsselschnodder feinsäuberlich am ganzen Körper verteilt. Joa, selbst schuld, würd ich da mal sagen. Außerdem kann man den Elefanten bei der täglichen Körperpflege im Fluss zusehen, bei der sie von ihrem Mahoud ordentlich mit der Wurzelbürste geschrubbt werden; Elefanten reiten; oder ihnen beim Malen zusehen. Ich gebe zu, die meisten ihrer Bilder sahen deutlich besser aus als das, was ich so male.

Anschließend geht es in ein Hilltribe Dorf. Im Norden Thailands gibt es verschieden Bergvölker, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Myanmar, China, Laos oder Tibet eingewandert sind. Jedes von ihnen hat seine ganz eigene Kultur und seine eigene Sprache. Das bekannteste Bergvolk dürfte wohl das der Longneck Karen sein. Ihre Frauen tragen von Kindesbeinen an goldene Ringe um den Hals. Eine Art von Schmuck, die mehrere Kilogramm wiegt und die sie nie mehr abnehmen können. Denn das jahrzehntelange Tragen deformiert die Schlüsselbeine und Schultergelenke derart, dass die Halswirbelsäule das Gewicht des Kopfes nicht mehr tragen könnte, würde man die Ringe entfernen. Neben den Karen (die Longneck Frauen sind nur eine Untergruppe dieses Stammes), Yao, Hmong, Akha, Lisu und Lahu.

Offen gesagt: Besuche bei den Bergvölkern sind eine zwiespältige Sache. Denn es ist eben nicht das Dutzend Traveller, das sie in ihren Dörfern besucht, sondern Hunderttausende Touristen Jahr für Jahr. Andererseits sind es genau diese Touristen, die die kunstvoll gefertigten Stoffe, Silberwaren, Schnitzereien und Webarbeiten kaufen, die von den Bergvölkern hergestellt werden.

Was für seltsame Blüten der Hilltribe Tourismus schlägt, stellen wir fest, als wir in Baan Tong Luang ankommen. Das stellt sich nämlich als Museumsdorf heraus, für das man Eintritt bezahlt und in dem jeder der Hilltribes sein eigenes Eckchen hat, um seine Waren zu verkaufen. Eine ältere Akha Frau lädt uns in eines der Häuser, wo auf offenem Feuer ein Topf mit dem Mittagessen köchelt. Unser „Ja“ auf die Frage, ob wir probieren wollen, scheint sie zu überraschen und zu freuen. Schnell wird noch eine Blechschüssel geholt. Das Gemüse in der Schüssel hab ich noch nie in meinem Leben gesehen. Es wächst wohl an Bäumen im Wald und schmeckt köstlich! Ein bisschen wie eine Kreuzung aus Zucchini und Kohl.

Manche bezeichnen sie als Menschenzoo, diese inszenierten Besuche in den Hilltribe Dörfern. Eine würdevollere und wahrscheinlich etwas nachhaltigere Alternative ist ein Besuch im Dorf Lorcha, das von Akha bewohnt und verwaltet wird. Statt Souvenir-Ständen gibt es hier kundige Akha-Guides, die einen durchs reale Dorf führen und von den Traditionen, Sitten, Gebräuchen und ihrem täglichen Leben erzählen.

Bevor es zum Doi Suthep weiter geht, ist es Zeit fürs Lunch. Natürlich wieder Garküchen-Style. Diesmal gibt´s ein ganzes gegrilltes Hühnchen, das Lichtjahre zarter und aromatischer ist als die ollen deutschen Brathähnchen. Und dazu: Som Tam. Scharfer Papaya Salat. Wieder einmal. Weil ich davon einfach nicht genug kriegen kann und in Hamburg meist vergeblich versuche, die unreife grüne Papaya Art zu finden, die man für Som Tam braucht.

Der Doi Suthep ist so etwas wie der Hausberg Chiang Mais. Auf seinem Gipfel thront der Wat Doi Suthep – der eigentlich Wat Phra Tap Doi Suthep heißt. Der Legende nach hat ein Mönch einst einen Tempel für eine Buddha Reliquie erbauen wollen. Um einen geeigneten Ort zu finden, band er die Reliquie an einen weißen Elefanten. Drei Tage und drei Nächte wanderte der Elefant umher, bis er sich auf dem Gipfel des Doi Suthep niederließ. Und dort starb. Genau an dieser Stelle errichtete der Mönch den Wat Doi Suthep. 

Vom Parkplatz führen 260 Stufen hinauf zum Tempel. Der vergoldete Chedi ist schlichterdings atemberaubend schön, wie überhaupt die ganze Anlage. Im Viharn, dem buddhistischen Klostergebäude, spendet ein Mönch den Segen. Unser Guide schubst uns mit den Worten „You go there, you lucky“ hinein. So einfach ist das. 

Ich möchte unbedingt Seladon Keramik kaufen. Sie ist jadegrün, hat feine Risse in der Glasur – und ich stelle sie mir wahnsinnig fotogen vor. (<- joa, schlagendes Foodblogger-Argument halt). Die ist ein der scheinbaren Fabrik überraschenderweise um ein Vielfaches teurer als im Shop in Chiang Mai. Wer also was kaufen will: Augen auf. Und unbedingt Preise vergleichen. Aber ich liebe sie jetzt schon sehr, meine funkelniegelnagelneuen Seladon Schalen, Teller und Löffel.

Credits:


Tourguide: chiangmaidriverguide.com


Seladon Keramik: siamceladon.com

Am nächsten Tag verlassen wir Chiang Mai und fahren mit dem öffentlichen Bus weiter in den Norden nach Chiang Rai.

Sawasdee Kha!

Conny

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4 Kommentare

  • Antworten Raspberrysue 4. März 2014 at 6:26

    Ich habe eine Weile in Thailand gelebt und auch den Norden bereist. Du machst mir gerade totales "Heimweh"…und ich liiiiebe ebenfalls Som Tam, aber den kann man leider so schwer nachmachen. Schade…Lg Carina

  • Antworten Steffi R. 4. März 2014 at 6:44

    Wow, eine beeindruckende und informative Dokumentation. Ein Traum. Wundervolle Bilder, da bekommt man doch direkt Fernweh. Lg steffi

  • Antworten Sabrina 4. März 2014 at 9:15

    Ich hab letztens eine "Doku" gesehen über verschiedene Schönheitsideale von Frauen weltweit. Wenn mich nicht alles täuscht, war genau die Frau aus dem Titelbild zu sehen, während ihr die goldene Spirale entfernt und gegen eine neue ausgetauscht wurde, der Kopf ist nicht abgefallen 😉

  • Antworten Jens 4. März 2014 at 11:10

    Schöne Portraits. Ich will auch wieder nach Thailand 🙁

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